HR Suite
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HR Suite · Schweiz · Betriebliches Gesundheitsmanagement

Deine Lern- und Umsetzungs-Suite fĂŒr Absenzen und Fallbegleitung

Zwei Apps, ein System: Das Absenzenmanagement liefert Erfassung, Kennzahlen und FrĂŒhwarnung — das Case Management ĂŒbernimmt die EinzelfĂ€lle und bringt Menschen zurĂŒck an die Arbeit. Wechsle jederzeit ĂŒber den App-Switcher oben links.

Wie die beiden Apps zusammenspielen

Absenzenmanagementerfasst vollstÀndig, analysiert, erkennt Muster
TriggerTag 30 · 3. Kurzabsenz · AuffĂ€lligkeit → Meldung an CM-Stelle
Case ManagementTriage, FallfĂŒhrung, Wiedereingliederung
RĂŒckkopplungErkenntnisse fliessen in PrĂ€vention & Reporting zurĂŒck

Empfohlene EinfĂŒhrungs-Reihenfolge im Unternehmen: zuerst das Absenzenmanagement solide aufbauen (A7), dann das Case Management andocken (M6). Zum Lernen kannst du beide parallel durcharbeiten — die Module verweisen aufeinander.

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Curriculum · Schweiz · Stand Juli 2026

Betriebliches Case Management verstehen und einfĂŒhren

Dein Lernprogramm in acht Modulen — vom ersten Begriff bis zum funktionierenden Case Management im Unternehmen. Zugeschnitten auf HR-Verantwortliche in Schweizer Unternehmen mit ĂŒber 500 Mitarbeitenden.

Worum es geht

Betriebliches Case Management (BCM) ist die strukturierte Begleitung von Mitarbeitenden, die wegen Krankheit oder Unfall lĂ€nger oder wiederholt ausfallen. Ziel ist die möglichst frĂŒhe, nachhaltige RĂŒckkehr an den Arbeitsplatz — im Interesse der betroffenen Person und des Unternehmens. Ein Case Manager koordiniert alle Beteiligten: die erkrankte Person, die FĂŒhrungskraft, Ärztinnen, den Krankentaggeld-Versicherer, die IV-Stelle, bei Unfall die Suva, bei Bedarf die Pensionskasse.

Der Business Case ist klar: Langzeitabsenzen sind teuer, und je lĂ€nger jemand weg ist, desto unwahrscheinlicher die RĂŒckkehr — nach sechs Monaten Abwesenheit kehrt erfahrungsgemĂ€ss nur noch etwa die HĂ€lfte zurĂŒck. FrĂŒhe, koordinierte Intervention ist der wirksamste Hebel. Genau das leistet BCM.

Wo BCM im Gesundheitsmanagement steht

InstrumentFrageFokus
AbsenzenmanagementWer fehlt wann, wie oft, wie lange?Systematische Erfassung und Analyse aller Absenzen; FrĂŒhwarnsystem und Datenbasis. Vorstufe und Zulieferer des BCM — eigene App in dieser Suite (Absenzenmanagement 101).
Betriebliches Case ManagementWie kommt diese eine Person zurĂŒck?Einzelfallbegleitung bei komplexen, lĂ€ngeren AusfĂ€llen; Koordination aller Akteure; Wiedereingliederung.
Betriebliche GesundheitsförderungWie bleiben alle gesund?PrĂ€vention fĂŒr die gesamte Belegschaft.
Betriebliches GesundheitsmanagementWie steuern wir das Ganze?Dachstrategie ĂŒber Arbeitssicherheit, BGF sowie Absenzen- und Case Management.

Die acht Module

Die Roadmap: vom Lernen zur Umsetzung (≈ 12 Monate)

  1. Monat 1–2

    Lernen & Auslegeordnung

    Module M1–M5 durcharbeiten; Absenzzahlen, KTG-Vertrag und bestehende Prozesse erheben; GesprĂ€ch mit dem KTG-Versicherer. Parallel: das Absenzenmanagement aufsetzen — es liefert die Daten und die Trigger, ohne die ein CM nicht arbeiten kann.

  2. Monat 3–4

    Konzept & Entscheid

    BCM-Konzept erstellen (M6), Business Case rechnen (M7), GL-Entscheid inkl. Ressourcen, Sozialpartner einbeziehen.

  3. Monat 5–6

    Aufbau

    CM-Stelle besetzen, Tool und getrennte AktenfĂŒhrung einrichten, Vorlagen und Schulungsunterlagen erstellen.

  4. Monat 7–9

    Pilot

    Start in ein bis zwei Bereichen, FĂŒhrungskrĂ€fte schulen, monatlich auswerten und nachschĂ€rfen.

  5. Monat 10–12

    Rollout & Betrieb

    Alle FĂŒhrungskrĂ€fte schulen, unternehmensweite Kommunikation, Go-live, Reporting etablieren.

Deinen Stand hĂ€ltst du auf der Seite Checkliste & Fortschritt fest — der Fortschrittsbalken oben rechts begleitet dich durch die ganze App.

Modul 1 · Lernen

Grundlagen & Methode des Case Managements

Lernziel: Du beherrschst den CM-Prozess in allen sechs Phasen, kennst die Grundprinzipien und kannst die Rolle des Case Managers sauber von HR und FĂŒhrung abgrenzen.

Woher die Methode kommt — und was sie auszeichnet

Case Management entstand in den 1970er-Jahren in den USA als Antwort auf ein Koordinationsproblem: Menschen mit komplexen Problemlagen scheiterten nicht am fehlenden Angebot, sondern an der Zersplitterung der ZustĂ€ndigkeiten. Die Grundidee: Eine Person fĂŒhrt den Fall — ĂŒber alle Institutionen hinweg, mit der betroffenen Person zusammen, auf ein vereinbartes Ziel hin. In der Schweiz hat sich die Methode ab den 1990er-Jahren zuerst bei den Unfall- und Taggeldversicherern etabliert und ist heute fester Bestandteil des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Der Case Manager hat drei Funktionen gleichzeitig: Anwalt der betroffenen Person (ihre Interessen und Ressourcen ins Zentrum stellen), Vermittler zwischen den Akteuren (Versicherer, Ärztinnen, Betrieb sprechen nicht automatisch miteinander) und Steuerer des Prozesses (Fristen, Massnahmen, Kosten im Blick behalten). Die Kunst besteht darin, diese drei Rollen transparent auszubalancieren.

Die sechs Phasen im Detail

1 · IntakeFallaufnahme & KlÀrung
2 · AssessmentSituation erfassen
3 · Ziele & PlanVereinbaren & planen
4 · UmsetzungKoordinieren & steuern
5 · MonitoringPrĂŒfen & anpassen
6 · EvaluationAbschliessen & lernen

Phase 1 — Intake (Fallaufnahme)

Hier wird entschieden, ob ĂŒberhaupt ein CM-Fall vorliegt (Triage-Kriterien: M4) und ob die betroffene Person mitmachen will. Der Intake umfasst: Erstkontakt (persönlich oder telefonisch, nicht per Formularbrief), ErklĂ€rung von Rolle, Freiwilligkeit und Datenschutz, schriftliche EinwilligungserklĂ€rung (wer darf mit wem welche Informationen austauschen), KlĂ€rung der Erwartungen. Lehnt die Person ab, wird das dokumentiert — der Fall lĂ€uft ĂŒber die normale Absenzverwaltung weiter, das Angebot bleibt offen.

Phase 2 — Assessment (Situationsanalyse)

Systematische Erfassung der Gesamtsituation entlang von fĂŒnf Dimensionen:

  • Gesundheit: ArbeitsfĂ€higkeit heute und prognostisch, laufende Behandlungen — auf Ebene Funktionen und Zumutbarkeit, nicht Diagnose (Instrument: arbeitsplatzbezogenes Zumutbarkeitsprofil, z. B. das REP von Compasso).
  • Arbeit: Anforderungen der bisherigen Stelle, Belastungsfaktoren, VerhĂ€ltnis zu Team und FĂŒhrungskraft, Anpassungsspielraum.
  • Soziales Umfeld: tragende Beziehungen, Betreuungspflichten, belastende Lebensereignisse.
  • Finanzen & Versicherungen: Taggeldsituation, drohende LĂŒcken, laufende Verfahren.
  • Motivation & Ressourcen: Was will die Person selbst? Was hat frĂŒher geholfen? Wo sieht sie ihre StĂ€rken?

Phase 3 — Zielvereinbarung & Massnahmenplan

Ziele werden gemeinsam formuliert und schriftlich festgehalten — ein ĂŒbergeordnetes Fallziel (z. B. «RĂŒckkehr in die angestammte Funktion mit 100 % bis Ende Q3») plus ĂŒberprĂŒfbare Teilziele mit Terminen. Der Massnahmenplan hĂ€lt fest: Was, wer, bis wann, wer zahlt. Realistische statt maximale Ziele — ein erreichtes 80-%-Ziel trĂ€gt weiter als ein verfehltes 100-%-Ziel.

Phase 4 — Umsetzung (Linking & Koordination)

Der Case Manager vermittelt Massnahmen und hĂ€lt die Akteure auf Kurs: Stufenplan mit dem Betrieb, Kostengutsprachen mit dem Versicherer, FrĂŒhintervention mit der IV, RĂŒcksprachen mit Ärztinnen (via Vollmacht). Wichtig: Der Case Manager fĂŒhrt nicht selbst durch — er sorgt dafĂŒr, dass die Richtigen es tun.

Phase 5 — Monitoring

RegelmĂ€ssige Standortbestimmungen gegen die Teilziele (Rhythmus je nach Fallphase: wöchentlich bis monatlich). Weicht der Verlauf ab, wird der Plan angepasst — nicht stillschweigend, sondern in einem StandortgesprĂ€ch mit den Beteiligten. Jeder Kontakt wird in der Fallakte dokumentiert.

Phase 6 — Evaluation & Fallabschluss

Abgeschlossen wird gegen definierte Kriterien (M4). Dazu gehören: AbschlussgesprĂ€ch mit Person und FĂŒhrungskraft, kurze Fallauswertung (Was hat gewirkt? Was lernt die Organisation daraus?), Nachkontakt nach drei bis sechs Monaten zur PrĂŒfung der Nachhaltigkeit.

Die Grundprinzipien

  • Freiwilligkeit: Niemand kann zum Case Management gezwungen werden. Was der Arbeitsvertrag verlangen darf (Arztzeugnis, zumutbare Mitwirkung an der Wiedereingliederung gemĂ€ss Schadenminderungspflicht), ist davon zu trennen.
  • Transparenz: Die betroffene Person weiss jederzeit, wer welche Informationen hat und was der nĂ€chste Schritt ist. Keine GesprĂ€che ĂŒber sie ohne ihr Wissen.
  • Ressourcenorientierung: Ausgangspunkt ist, was die Person kann — nicht die Diagnose. Die Frage lautet immer: «Was geht, unter welchen Bedingungen?»
  • Empowerment: Die Person bleibt Akteurin ihres Falls, nicht Objekt eines Verfahrens.
  • Wirtschaftlichkeit: CM ist auch ein Steuerungsinstrument — Massnahmen mĂŒssen in einem vernĂŒnftigen VerhĂ€ltnis zum erwartbaren Nutzen stehen. Das offen zu benennen schafft GlaubwĂŒrdigkeit.
Mini-Fallbeispiel zum Durchdenken

Ein 48-jĂ€hriger Logistikmitarbeiter ist nach einer RĂŒckenoperation seit fĂŒnf Wochen zu 100 % arbeitsunfĂ€hig, Prognose unklar, die angestammte TĂ€tigkeit ist körperlich schwer. Intake: Er willigt ins CM ein. Assessment: medizinisch ist leichte Arbeit ab Woche 8 denkbar, er befĂŒrchtet Stellenverlust, im Team gibt es keine leichten DauertĂ€tigkeiten. Ziel: RĂŒckkehr in den Betrieb, ergebnisoffen bezĂŒglich Funktion. Plan: ab Woche 8 Stufenplan mit angepassten Aufgaben (Wareneingangs-Kontrolle statt Kommissionierung), Meldung IV-FrĂŒherfassung, PrĂŒfung Umschulung Richtung Disposition. Monitoring: zweiwöchentliche StandortgesprĂ€che. So sieht koordinierte FallfĂŒhrung aus — ohne CM wĂ€re nach 720 Taggeld-Tagen vermutlich die KĂŒndigung gestanden.

Best Practice

Dokumentiere von Anfang an in einer strukturierten Fallakte (Stammdaten, Einwilligung, Assessments, Zielplan, Verlaufsjournal, Korrespondenz). Nicht nur wegen des Datenschutzes: Bei FallĂŒbergaben, Versichererfragen oder — im schlechten Fall — arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen ist die lĂŒckenlose, sachliche Dokumentation dein wichtigstes Instrument.

Links & Literatur zu diesem Modul
  • Wendt, «Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen» (Lambertus) — das deutschsprachige Standardwerk zur Methode; ideal als erstes Buch.
  • Löcherbach et al., «Case Management: Fall- und Systemsteuerung» (Reinhardt) — vertieft die Phasen und die Steuerungslogik.
  • netzwerk-cm.ch — Definitionen, Standards und Kompetenzprofil des Schweizer Fachverbands.

Modul 2 · Lernen

Rechtlicher Rahmen in der Schweiz

Lernziel: Du kennst Lohnfortzahlung, KĂŒndigungsschutz, die IV-Instrumente und die Datenschutzregeln so gut, dass du im Fall weisst, was gilt — und wann du eine Fachperson beiziehst.

Lohnfortzahlung und Krankentaggeld

Ohne Versicherungslösung gilt Art. 324a OR: Der Arbeitgeber zahlt den Lohn «fĂŒr eine beschrĂ€nkte Zeit» weiter — im ersten Dienstjahr drei Wochen, danach «angemessen lĂ€nger». Was angemessen ist, konkretisieren die Gerichtspraxis-Skalen (Basler, Berner, ZĂŒrcher Skala), die die Dauer nach Dienstjahren staffeln. FĂŒr ein Unternehmen deiner Grösse ist das aber Theorie: Praktisch ĂŒberall besteht eine Kollektiv-Krankentaggeldversicherung (KTG), die die Lohnfortzahlung ablöst — typisch: 80 % des Lohns wĂ€hrend 720 oder 730 Tagen, mit einer Wartefrist (hĂ€ufig 30, 60 oder 90 Tage), wĂ€hrend der der Arbeitgeber selbst zahlt.

Best Practice

Kenne deinen KTG-Vertrag im Detail: Wartefrist, Leistungsdauer, Meldefristen fĂŒr die Schadenmeldung (verpasste Fristen können Leistungen gefĂ€hrden), Bestimmungen zu Wiedereingliederung und Care Management, Übertrittsrecht in die Einzelversicherung beim Austritt. Der KTG-Vertrag ist das finanzielle RĂŒckgrat deines BCM — und der Schadenverlauf bestimmt deine PrĂ€mien.

KĂŒndigungsschutz: die Sperrfristen

Nach Ablauf der Probezeit darf der Arbeitgeber wĂ€hrend einer krankheits- oder unfallbedingten ArbeitsunfĂ€higkeit nicht kĂŒndigen (Art. 336c OR):

DienstjahrSperrfrist
1. Dienstjahr30 Tage
2.–5. Dienstjahr90 Tage
ab 6. Dienstjahr180 Tage

Eine in der Sperrfrist ausgesprochene KĂŒndigung ist nichtig; eine vorher ausgesprochene wird unterbrochen und lĂ€uft nach der Sperrfrist weiter. Wichtig fĂŒrs BCM: Die Sperrfrist ist eine Minimalfrist, kein Fahrplan. Ein BCM, das FĂ€lle bis zum Ablauf der Sperrfrist «parkiert» und dann kĂŒndigt, verfehlt seinen Zweck und spricht sich im Betrieb herum.

Pflichten der versicherten Person (ATSG)

Das ATSG verpflichtet versicherte Personen zur Mitwirkung (AuskĂŒnfte, Untersuchungen) und zur Schadenminderung: Zumutbare Massnahmen zur Wiedereingliederung mĂŒssen mitgetragen werden, sonst können Versicherungsleistungen gekĂŒrzt werden. FĂŒr dich heisst das: Das BCM ist freiwillig, aber die Verweigerung jeder zumutbaren Wiedereingliederung hat fĂŒr die betroffene Person versicherungsrechtliche Konsequenzen — das darf man in GesprĂ€chen sachlich transparent machen, ohne damit zu drohen.

Die IV-Instrumente im Detail

InstrumentWas es istWann es greift
FrĂŒherfassungNiederschwellige Meldung an die IV-Stelle; diese klĂ€rt ab, ob Handlungsbedarf besteht, und antwortet innert 30 Tagen. Keine IV-Anmeldung.Ab 30 Tagen ununterbrochener ArbeitsunfĂ€higkeit oder bei wiederholten Kurzabsenzen innert eines Jahres. Meldeberechtigt ist u. a. der Arbeitgeber (die Person muss vorgĂ€ngig informiert werden).
FrĂŒhinterventionRasche, unbĂŒrokratische Massnahmen (bis ca. CHF 20'000 pro Person): Arbeitsplatzanpassung, Ausbildungskurse, Arbeitsvermittlung, Berufsberatung, sozialberufliche Rehabilitation, BeschĂ€ftigungsmassnahmen.Nach FrĂŒherfassung oder IV-Anmeldung; Ziel ist der Erhalt des Arbeitsplatzes oder eine rasche Neuplatzierung.
IntegrationsmassnahmenBelastbarkeits- und Aufbautraining, oft im Betrieb, besonders bei psychischen BeeintrÀchtigungen.Wenn die Person noch nicht eingliederungsfÀhig im engeren Sinn ist.
Berufliche MassnahmenUmschulung, Weiterbildung, Berufsberatung, Stellenvermittlung.Wenn die angestammte TĂ€tigkeit dauerhaft nicht mehr zumutbar ist.
ArbeitsversuchBis zu 180 Tage Arbeit im Betrieb ohne Arbeitsvertrag — die IV zahlt Taggeld weiter, fĂŒr den Betrieb praktisch risikofrei. Starkes Instrument fĂŒr den Wiedereinstieg.Zur AbklĂ€rung der tatsĂ€chlichen LeistungsfĂ€higkeit, im eigenen oder in einem anderen Betrieb.
EinarbeitungszuschussDie IV beteiligt sich wÀhrend der Einarbeitung am Lohn, wenn die volle Leistung noch nicht erreicht ist.Bei Anstellung/WeiterbeschÀftigung nach Eingliederung.
RenteSeit 2022 stufenlos: ab 40 % IV-Grad Teilrente (beginnend bei 25 % einer ganzen Rente), zwischen 40 und 70 % linear steigend, ab 70 % ganze Rente.FrĂŒhestens nach einem Jahr durchschnittlicher ArbeitsunfĂ€higkeit von mind. 40 % und frĂŒhestens sechs Monate nach IV-Anmeldung — deshalb rechtzeitig anmelden (Faustregel: spĂ€testens nach sechs Monaten ArbeitsunfĂ€higkeit prĂŒfen).

Pensionskasse (BVG)

Die BVG-Invalidenrente knĂŒpft in der Regel an den IV-Entscheid an. Leistungspflichtig ist grundsĂ€tzlich die Pensionskasse, bei der die Person bei Beginn der ArbeitsunfĂ€higkeit versichert war, deren Ursache zur InvaliditĂ€t gefĂŒhrt hat — ein Grund mehr, den Beginn der ArbeitsunfĂ€higkeit sauber zu dokumentieren. Informiere die PK bei absehbar langen FĂ€llen frĂŒhzeitig; viele Kassen kennen zudem die Beitragsbefreiung bei ErwerbsunfĂ€higkeit.

Datenschutz: die Leitplanken des BCM

  • Art. 328b OR: Der Arbeitgeber darf nur Daten bearbeiten, die die Eignung fĂŒr das ArbeitsverhĂ€ltnis betreffen oder zu dessen DurchfĂŒhrung erforderlich sind.
  • Revidiertes DSG (seit 1.9.2023): Gesundheitsdaten sind besonders schĂŒtzenswerte Personendaten. Ihre Bearbeitung im BCM stĂŒtzt sich auf die ausdrĂŒckliche Einwilligung der betroffenen Person; es gelten Zweckbindung, VerhĂ€ltnismĂ€ssigkeit, Auskunftsrecht und definierte Aufbewahrungs- und Löschfristen.
  • Praktische Umsetzung: schriftliche Einwilligung mit konkret benannten InformationsflĂŒssen (wer ↔ wer, was, wozu); Fallakte technisch getrennt vom Personaldossier, Zugriff nur fĂŒr die CM-Stelle; FĂŒhrungskraft und HR erhalten nur, was sie fĂŒr ihre Rolle brauchen (EinsatzfĂ€higkeit, Stufenplan — keine Diagnosen); Löschkonzept nach Fallabschluss.
Spickzettel: Was darf der Arbeitgeber wissen und fragen?
  • Ja: Grad und voraussichtliche Dauer der ArbeitsunfĂ€higkeit; ob Krankheit oder Unfall; was die Person trotz EinschrĂ€nkung tun kann (Zumutbarkeitsprofil); ob betriebliche Faktoren zur Absenz beitragen.
  • Nein: Diagnose; Details der Behandlung; private LebensumstĂ€nde ohne Bezug zur Arbeit. Auch dann nicht, wenn die Person sie freiwillig erzĂ€hlt — nicht dokumentieren, was du nicht brauchst.
  • Via Fachkanal: Medizinische Detailfragen laufen ĂŒber vertrauensĂ€rztliche Untersuchungen (je nach KTG-Vertrag durch den Versicherer veranlasst) oder ĂŒber den Arztkontakt des Case Managers mit Vollmacht.

Die Melde- und Zeugnisregeln aus Sicht der laufenden Absenzerfassung (ab wann Zeugnispflicht, Zeugnis ab dem 1. Tag, Beweiswert) stehen im Absenzenmanagement: A2 · Recht & Arztzeugnisse.

Stolperstein

KĂŒndigung wĂ€hrend des laufenden Case Managements: rechtlich nach Ablauf der Sperrfrist möglich, aber heikel. Sie kann als missbrĂ€uchlich qualifiziert werden, wenn sie im Widerspruch zu laufenden Eingliederungszusagen steht, und sie beschĂ€digt das Vertrauen in dein BCM insgesamt. Wenn eine Trennung unvermeidbar ist: sauber begrĂŒnden, geordnet ĂŒbergeben (IV, RAV, allenfalls Sozialberatung) und nie «aus dem CM heraus» kĂŒndigen — die Trennung gehört in die HR-Linie, nicht in die FallfĂŒhrung.

Links & Literatur zu diesem Modul

Modul 3 · Lernen

Akteure & Versicherungen — wer macht was, wer zahlt wann

Lernziel: Du weisst fĂŒr jeden Akteur, wann du ihn einbindest, was er leistet, was er von dir braucht — und wie die Zahlungsströme ĂŒber die Zeit laufen.

Krankentaggeld-Versicherer (KTG)

Wann einbinden: Schadenmeldung gemĂ€ss Vertragsfrist (oft innert 30 Tagen bzw. vor Ablauf der Wartefrist) — Frist verpassen kann Leistungen kosten. Was er leistet: Taggeld (meist 80 %, 720/730 Tage), hĂ€ufig eigenes Care Management, teilweise Kostenbeteiligung an Eingliederungsmassnahmen, vertrauensĂ€rztliche AbklĂ€rungen. Was er von dir braucht: vollstĂ€ndige Schadenmeldungen, Arztzeugnisse, Lohnangaben, laufende Information ĂŒber Wiedereingliederungsschritte. Dein Hebel: Der Versicherer verdient an jedem verkĂŒrzten Fall mit — er ist dein natĂŒrlicher VerbĂŒndeter. Vereinbare feste Ansprechpersonen und einen Austauschrhythmus fĂŒr laufende FĂ€lle.

IV-Stelle (kantonal)

Wann einbinden: FrĂŒherfassung ab 30 Tagen ArbeitsunfĂ€higkeit oder bei wiederholten Kurzabsenzen prĂŒfen; IV-Anmeldung spĂ€testens nach rund sechs Monaten prĂŒfen (Rente frĂŒhestens sechs Monate nach Anmeldung — spĂ€te Anmeldung heisst verlorene AnsprĂŒche). Was sie leistet: die ganze Palette aus M2 — FrĂŒhintervention, Integrationsmassnahmen, Umschulung, Arbeitsversuch, Einarbeitungszuschuss; dazu Eingliederungsfachleute, die in den Betrieb kommen. Was sie von dir braucht: ein aussagekrĂ€ftiges Anforderungsprofil der Stelle, Bereitschaft des Betriebs fĂŒr angepasste EinsĂ€tze, eine Ansprechperson. Dein Hebel: Arbeitgeber, die aktiv mit der IV-Stelle zusammenarbeiten, bekommen spĂŒrbar mehr UnterstĂŒtzung — die IV sucht kooperationsbereite Betriebe fĂŒr Eingliederungen.

Suva / UVG-Versicherer

Bei UnfĂ€llen gilt das UVG; die Suva (oder ein privater UVG-Versicherer) ĂŒbernimmt Heilkosten und Taggeld (80 % ab dem 3. Tag) und fĂŒhrt bei komplexen FĂ€llen ein eigenes Case Management (bei der Suva das «New Case Management»). Deine Rolle: Hier fĂŒhrst du nicht doppelt, sondern koordinierst die betriebliche Seite — Kontakt halten, RĂŒckkehrmöglichkeiten und angepasste ArbeitsplĂ€tze anbieten, an runden Tischen teilnehmen.

Pensionskasse (BVG)

Bei absehbar langen oder invaliditĂ€tsnahen FĂ€llen frĂŒhzeitig informieren (viele Reglemente kennen Meldepflichten). Relevant: Invalidenleistungen im Anschluss an den IV-Entscheid, Beitragsbefreiung, und die Frage, welche Kasse leistungspflichtig ist (die bei Beginn der massgebenden ArbeitsunfĂ€higkeit — Dokumentation!).

Behandelnde Ärztinnen und VertrauensĂ€rzte

Der direkte Draht lĂ€uft immer ĂŒber die betroffene Person oder eine schriftliche Vollmacht. Frage nie nach der Diagnose, sondern nach der Zumutbarkeit: «Welche TĂ€tigkeiten sind in welchem Umfang möglich?» DafĂŒr gibt es das Ressourcenorientierte Eingliederungsprofil (REP) von Compasso — ein standardisiertes Formular, das genau diese Übersetzung von Medizin in ArbeitsfĂ€higkeit leistet und von Ärzteschaft und Versicherern gemeinsam entwickelt wurde. VertrauensĂ€rztliche Untersuchungen (Zweitmeinung zur ArbeitsunfĂ€higkeit) laufen je nach Vertrag ĂŒber den KTG-Versicherer.

Externe Case-Management-Anbieter

Auch mit interner CM-Stelle sinnvoll fĂŒr: ÜberlaufkapazitĂ€t, FĂ€lle mit Befangenheit (HR-Mitarbeitende, Kader), SpezialfĂ€lle. Auswahlkriterien: Arbeit nach den Standards des Netzwerks Case Management Schweiz, ausgebildete Case Manager (CAS/MAS), klare UnabhĂ€ngigkeit von Leistungsentscheiden des Versicherers, transparente Berichterstattung, Erfahrung in deiner Branche.

Wer zahlt wann? Die Zahlungsströme ĂŒber die Zeit (Krankheitsfall)

ZeitraumLohnersatzWomit parallel arbeiten
Wartefrist (z. B. Tag 1–60)Arbeitgeber zahlt Lohn (gemĂ€ss Vertrag meist 80–100 %)Kontakt halten, Triage ab Tag 30, IV-FrĂŒherfassung prĂŒfen
Nach Wartefrist bis max. Tag 720/730KTG-Taggeld (meist 80 %)CM-FallfĂŒhrung, Stufenplan, IV-FrĂŒhintervention, ggf. IV-Anmeldung (≈ Monat 6)
Ab ca. Monat 12ggf. IV-Rente (stufenlos ab 40 % IV-Grad), Taggeld lÀuft daneben ggf. weiterEingliederungsmassnahmen der IV, Arbeitsversuch, Umschulung
Nach Taggeld-EndeIV-Rente und/oder BVG-Invalidenleistungen — oder Lohn nach gelungener RĂŒckkehrNachhaltigkeit sichern, Fallabschluss, Nachkontakt
Stolperstein

Das gefĂ€hrlichste Zeitfenster ist der Übergang: Taggeld lĂ€uft aus, die IV hat noch nicht entschieden, der Arbeitsplatz ist weg — die Person fĂ€llt in eine finanzielle und institutionelle LĂŒcke. Ein gutes BCM denkt die AnschlĂŒsse von Anfang an mit: IV rechtzeitig anmelden, PK informieren, und bei absehbarer Trennung die ÜbergĂ€nge (RAV, Sozialberatung) aktiv organisieren statt den Fall auslaufen zu lassen.

Best Practice: der runde Tisch

Bei komplexen FĂ€llen ist das wirksamste Koordinationsinstrument ein gemeinsames StandortgesprĂ€ch mit allen Beteiligten (Person, FĂŒhrungskraft, Case Manager, Versicherer, ggf. IV-Eingliederungsfachperson): ein Termin statt fĂŒnf Telefonketten, alle hören dasselbe, ZustĂ€ndigkeiten werden vor allen vereinbart. Der Case Manager moderiert und protokolliert.

Links & Literatur zu diesem Modul
  • compasso.ch — Arbeitgeberportal fĂŒr berufliche Eingliederung: REP-Formular, Checklisten pro Akteur, Fallbeispiele. Dein wichtigstes Praxiswerkzeug fĂŒr dieses Modul.
  • ahv-iv.ch — MerkblĂ€tter — v. a. Merkblatt 4.12 und die MerkblĂ€tter zu beruflichen Massnahmen.
  • suva.ch — New Case Management und Wiedereingliederung nach Unfall.
  • Dein eigener KTG-Vertrag samt AVB — ernsthaft: Er ist die wichtigste LektĂŒre dieses Moduls.

Modul 4 · Lernen

Der BCM-Prozess im Betrieb — Fristen, Triage, Wiedereinstieg, Abschluss

Lernziel: Du kannst den betrieblichen Prozess so konkret aufsetzen, dass jede Rolle an jedem Tag weiss, was zu tun ist — und kein Fall mehr versandet.

Das Fristenraster (HerzstĂŒck des Prozesses)

ZeitpunktWas passiertWer ist verantwortlich
Tag 1Krankmeldung persönlich (Telefon) an die direkte FĂŒhrungskraft; Erfassung im AbsenzsystemMitarbeiter/in · FĂŒhrungskraft
Tag 3–5Erster persönlicher Kontakt: Befinden, voraussichtliche Dauer, «Was können wir tun?»; Kontaktrhythmus vereinbarenFĂŒhrungskraft
Tag 14HR informiert; Arztzeugnis-Lage prĂŒfen; KTG-Schadenmeldung vorbereiten (Frist!)HR
Tag 30Triage durch die CM-Stelle; PrĂŒfung Meldung IV-FrĂŒherfassung; bei Falleröffnung: Intake und EinwilligungCase Manager
Tag 60StandortgesprÀch; Assessment abgeschlossen; Zielplan steht; ggf. runder Tisch mit VersichererCase Manager
Tag 90Wiedereingliederungsplan (Stufenplan) oder Neubeurteilung des Ziels; IV-FrĂŒhinterventionsmassnahmen laufenCase Manager · FĂŒhrungskraft
Monat 6PrĂŒfung IV-Anmeldung (Rentenanspruch frĂŒhestens 6 Monate nach Anmeldung!); PK informieren; Szenarien A/B/C definierenCase Manager · HR
Monat 9–12Umsetzung Szenario; bei RĂŒckkehr: Stufenplan bis Zielpensum; sonst: Umschulung/Arbeitsversuch via IV oder geordnete Trennung nach Ablauf der Sperrfristalle
Abschluss + 3–6 MonateNachkontakt: Ist die RĂŒckkehr nachhaltig? RĂŒckfallsignale?Case Manager

→ FĂŒr die Linie gibt es die Kurzfassung als Merkblatt FĂŒhrungskrĂ€fte mit Fristenkarte; das ganze Raster auch als Datei in den Downloads.

Triage: Wann wird aus einer Absenz ein Fall?

Diese Kriterien greifen genau dort, wo das Absenzenmanagement die FÀlle herantrÀgt: Die automatischen Trigger aus der Absenzerfassung (A3 · Erfassung & Systeme) melden Tag-30-FÀlle und Kurzabsenz-Muster, hier wird daraus ein Triage-Entscheid.

Harte Kriterien (eines genĂŒgt fĂŒr die Falleröffnung):

  • ArbeitsunfĂ€higkeit voraussichtlich oder tatsĂ€chlich ĂŒber 30 Tage
  • Psychische Erkrankung als (Mit-)Ursache
  • Signal des KTG-Versicherers oder der IV

Weiche Kriterien (ab zwei gleichzeitig Fall prĂŒfen):

  • Mehr als drei Kurzabsenzen in sechs Monaten oder auffĂ€lliges Absenzmuster (z. B. montags/freitags)
  • Unklare oder widersprĂŒchliche Prognose, wechselnde Arztzeugnisse
  • Konflikt am Arbeitsplatz oder laufende Reorganisation als möglicher Auslöser
  • Körperlich belastende TĂ€tigkeit + Beschwerdebild, das die RĂŒckkehr in genau diese TĂ€tigkeit fraglich macht
  • Absehbare private Mehrfachbelastung (Betreuung, Finanzen, Trennung)

Der Stufenplan fĂŒr den Wiedereinstieg

Ein Wiedereinstieg gelingt gestuft — in Pensum und Aufgaben. Beispiel fĂŒr eine RĂŒckkehr nach lĂ€ngerer Absenz:

PhasePrÀsenzAufgabenBegleitung
Woche 1–2≈ 40 %Angepasste Aufgaben ohne Termindruck, kein Kundenkontakt/keine SchichtarbeitWöchentliches KurzgesprĂ€ch mit FĂŒhrungskraft
Woche 3–4≈ 50–60 %Schrittweise Kernaufgaben, noch reduzierte VerantwortungStandortgesprĂ€ch mit Case Manager
Woche 5–8≈ 60–80 %Kernaufgaben, definierte Schongrenzen (z. B. keine Überzeit, Hebelimiten)Wöchentliche Kurz-Checks
ab Woche 9ZielpensumVolle Funktion oder definitiv angepasste FunktionAbschlussgesprÀch, Nachkontakt vereinbaren

Wichtig zur Finanzierung: WĂ€hrend des Stufenplans ergĂ€nzt das Taggeld in der Regel die Differenz zum vollen Lohn — die konkrete Abwicklung (TeilarbeitsfĂ€higkeit vs. «therapeutischer Arbeitsversuch» ohne Lohnanspruch) vorab schriftlich mit dem KTG-Versicherer klĂ€ren. Und: Der Plan wird mit Ärztin und betroffener Person erstellt, nicht ĂŒber ihre Köpfe hinweg; er ist ein Fahrplan, kein Vertrag — Anpassung nach Verlauf ist normal und kein Scheitern.

Fallabschluss: die drei Szenarien

  • A — RĂŒckkehr angestammt: Zielpensum erreicht und drei Monate stabil gehalten → Abschluss mit Nachkontakt.
  • B — RĂŒckkehr angepasst: neue Funktion oder dauerhaft angepasstes Pensum im Betrieb; ggf. mit IV-Einarbeitungszuschuss; Anpassung des Arbeitsvertrags sauber dokumentieren.
  • C — Lösung ausserhalb: Wenn keine zumutbare WeiterbeschĂ€ftigung möglich ist: Übergabe an IV (Umschulung, Arbeitsvermittlung), geordnete Trennung nach Sperrfrist mit fairen Konditionen, ÜbergĂ€nge zu RAV/Sozialberatung organisiert. Auch Szenario C ist ein legitimer, professioneller Fallabschluss — entscheidend ist, wie er gestaltet wird.
Best Practice

Automatisiere die Trigger: Das Absenzsystem soll die CM-Stelle bei Tag 30, bei der dritten Kurzabsenz und bei auffĂ€lligen Mustern automatisch benachrichtigen. Prozesse, die auf «jemand denkt schon daran» beruhen, funktionieren in Monat 1 und versagen in Monat 7. Ebenso: Jeder offene Fall hat immer einen nĂ€chsten Termin — ein Fall ohne nĂ€chsten Termin ist ein versandender Fall.

Wie diese Trigger technisch entstehen und konfiguriert werden, steht im Absenzenmanagement: A3 · Erfassung & Systeme. Das gestufte Vorgehen bei Kurzabsenz-Mustern (bevor daraus ein CM-Fall wird) beschreibt A5 · FĂŒhrung & GesprĂ€che.

Links & Literatur zu diesem Modul

Modul 5 · Lernen

GesprĂ€chsfĂŒhrung & Fallarbeit

Lernziel: Du kennst die vier GesprĂ€chsformate mit Leitfaden, die Grundhaltung der motivierenden GesprĂ€chsfĂŒhrung und den Umgang mit psychisch bedingten Absenzen und schwierigen Situationen.

Die vier GesprÀchsformate

1 · RĂŒckkehrgesprĂ€ch (nach jeder Absenz, durch die FĂŒhrungskraft)

Kurz (10–15 Minuten), zeitnah (erster Arbeitstag oder kurz danach), unter vier Augen. Struktur:

  1. Willkommen: «Schön, sind Sie wieder da. Wie geht es Ihnen?»
  2. Update: Was ist in der Abwesenheit passiert, was ist zu priorisieren.
  3. Arbeitsbezug: «Gibt es etwas an der Arbeit, das zur Absenz beigetragen hat? Gibt es etwas, das wir anpassen sollten, damit Sie gesund bleiben?»
  4. Vereinbarung: konkrete Anpassungen festhalten, falls nötig.

Don'ts: Diagnose erfragen, Rechtfertigungsdruck aufbauen, das GesprĂ€ch mit Leistungskritik vermischen, es bei Vielabwesenden auslassen und bei Beliebten vergessen — das Format wirkt nur, wenn es fĂŒr alle, immer gilt.

→ Als abgabefertiges Handout fĂŒr die Linie: Merkblatt FĂŒhrungskrĂ€fte; geĂŒbt wird das Format in der FĂŒhrungskrĂ€fte-Schulung. Das RĂŒckkehrgesprĂ€ch ist zugleich das Arbeitspferd des Absenzenmanagements — die ganze GesprĂ€chskette und das gestufte Vorgehen bei wiederholten Kurzabsenzen steht in A5 · FĂŒhrung & GesprĂ€che.

2 · FĂŒrsorgegesprĂ€ch (bei AuffĂ€lligkeiten vor einem Ausfall)

Wenn eine FĂŒhrungskraft VerĂ€nderungen beobachtet (RĂŒckzug, Leistungsknick, Reizbarkeit, hĂ€ufige Kurzabsenzen): frĂŒhzeitig, wertschĂ€tzend, konkret. Regel: Beobachtung statt Interpretation — «Mir ist aufgefallen, dass Sie in den letzten Wochen oft mĂŒde wirken und dreimal kurzfristig ausgefallen sind. Ich mache mir Sorgen. Wie geht es Ihnen?» statt «Sie sind wohl ausgebrannt». Das GesprĂ€ch endet mit einem Angebot (Entlastung, CM-Stelle, externe Beratung), nicht mit einer Auflage.

3 · StandortgesprÀch (wÀhrend des Falls, durch den Case Manager)

Agenda: Verlauf seit dem letzten Termin → Abgleich mit den Teilzielen → was hat geholfen, was gefehlt → nĂ€chste Schritte und Termine → wer informiert wen. Bei Bedarf als runder Tisch mit allen Akteuren (M3). Immer mit schriftlichem Kurzprotokoll, das die betroffene Person erhĂ€lt.

4 · RĂŒckkehrplanungs-GesprĂ€ch (vor dem Wiedereinstieg)

Mit Person, FĂŒhrungskraft und Case Manager: Stufenplan konkretisieren, Schongrenzen definieren, Kommunikation ans Team vereinbaren (die betroffene Person entscheidet, was das Team erfĂ€hrt — abgestimmter Sprachgebrauch verhindert Flurfunk), Eskalationsweg bei Überlastung festlegen («Was tun wir, wenn es doch zu viel wird?» — vorher besprechen entlastet enorm).

Grundhaltung: motivierende GesprĂ€chsfĂŒhrung

Die wirksamste GesprĂ€chshaltung im CM stammt aus der motivierenden GesprĂ€chsfĂŒhrung (Miller/Rollnick): offene Fragen statt Verhör, aktives Zuhören und Zusammenfassen, Ambivalenz ernst nehmen («Ein Teil von Ihnen möchte zurĂŒck, ein Teil hat Angst davor — beides ist verstĂ€ndlich»), VerĂ€nderungsgrĂŒnde von der Person selbst formulieren lassen statt sie zu ĂŒberzeugen. Druck erzeugt Widerstand; Autonomie erzeugt Bewegung.

Psychische Erkrankungen — der hĂ€ufigste und anspruchsvollste Falltyp

Psychische Erkrankungen sind heute die hĂ€ufigste Ursache von Langzeitabsenzen und von IV-Neurenten. Was sie fĂŒr die Fallarbeit besonders macht:

  • VerlĂ€ufe schwanken. Gute und schlechte Wochen wechseln; ein linearer Stufenplan braucht mehr FlexibilitĂ€t und lĂ€ngere Horizonte als bei somatischen FĂ€llen.
  • Zu schneller Vollausbau ist das grösste RĂŒckfallrisiko. Lieber lĂ€nger auf 60 % stabil als in Woche 6 auf 100 % und in Woche 10 wieder draussen.
  • Arbeitsplatzfaktoren sind oft Mitursache (Konflikte, Überlastung, Rollenunklarheit) — dann muss sich auch der Arbeitsplatz verĂ€ndern, nicht nur die Person. Ein Assessment, das das ausblendet, produziert DrehtĂŒrfĂ€lle.
  • Kontakt halten wirkt. Bei psychischen Absenzen bricht der Kontakt am schnellsten ab («wir wollten nicht stören») — genau das verstĂ€rkt RĂŒckzug und Entfremdung. Niederschwelliger, regelmĂ€ssiger, wohlwollender Kontakt ist die wirksamste Einzelmassnahme.
  • Zusammenarbeit mit Behandelnden lohnt sich doppelt: Psychiaterinnen und Psychotherapeuten kennen den Arbeitsplatz nicht — ein prĂ€zises Anforderungs- und Zumutbarkeitsprofil (REP) macht ihre Zeugnisse realistischer und den Stufenplan tragfĂ€higer.

Schwierige Situationen

  • Fehlende Mitwirkung: erst verstehen (Angst? Überforderung? schlechte Erfahrung?), dann klar benennen: Freundlich im Ton, deutlich in der Sache — inkl. der versicherungsrechtlichen Konsequenzen fehlender Schadenminderung (M2), sachlich und ohne Drohkulisse.
  • Verdacht auf missbrĂ€uchliche Absenz: nicht im CM klĂ€ren — das ist ein FĂŒhrungs-/HR-Thema (vertrauensĂ€rztliche Untersuchung via Versicherer, arbeitsrechtliche Schiene). Der Case Manager darf nie zum Detektiv werden, sonst ist seine Rolle fĂŒr alle kĂŒnftigen FĂ€lle beschĂ€digt.
  • Konflikt als Absenzursache: CM und Konfliktbearbeitung trennen, aber verzahnen — Mediation oder FĂŒhrungsintervention parallel zum Fall aufsetzen. RĂŒckkehr in einen ungelösten Konflikt scheitert fast immer.
Stolperstein

Gut gemeinte GrenzĂŒberschreitung: FĂŒhrungskrĂ€fte und Case Manager rutschen bei psychischen FĂ€llen leicht in eine Therapeutenrolle («ErzĂ€hlen Sie mal »). Das ĂŒberfordert alle und verletzt die Rollengrenze. Die Aufgabe des Betriebs ist der Arbeitsbezug: Bedingungen schaffen, unter denen Arbeit wieder möglich ist. Behandlung gehört zu den Fachleuten — dorthin wird aktiv vermittelt, nicht selbst «therapiert».

Links & Literatur zu diesem Modul
  • Miller/Rollnick, «Motivierende GesprĂ€chsfĂŒhrung» — das Standardwerk zur GesprĂ€chshaltung; die ersten Kapitel reichen fĂŒr den Praxistransfer.
  • ensa.swiss — Erste-Hilfe-Kurse fĂŒr psychische Gesundheit (Pro Mente Sana): sehr gut geeignet als Schulung fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte und die CM-Stelle.
  • wie-gehts-dir.ch — Schweizer Kampagne mit konkreten GesprĂ€chstipps, inkl. Material fĂŒr Betriebe.
  • Compasso — Themenbereich psychische Gesundheit — Fallbeispiele und Instrumente speziell fĂŒr Arbeitgeber.

Modul 6 · Umsetzen

EinfĂŒhrung im Unternehmen — Konzept, Rollen, Kommunikation

Lernziel: Du kannst das BCM-Konzept schreiben, die CM-Stelle richtig aufhĂ€ngen und besetzen, und die EinfĂŒhrung so kommunizieren, dass die Belegschaft sie als UnterstĂŒtzung erlebt.

Best Practice · Reihenfolge

Zuerst das Absenzenmanagement sauber aufsetzen (verlĂ€ssliche Erfassung, Auswertung, Meldewege), dann das Case Management darauf aufbauen. Ein CM ohne verlĂ€ssliche Absenzdaten fliegt blind — die Triage funktioniert nur, wenn die Trigger automatisch aus den Daten kommen. Die EinfĂŒhrung des Absenzenmanagements und dessen Schnittstelle zum CM beschreibt A7 · EinfĂŒhrung & CM-Schnittstelle; die beiden FĂŒhrungskrĂ€fte-Schulungen lassen sich zusammenlegen.

Das BCM-Konzept: die Gliederung, die sich bewÀhrt hat

  1. Ausgangslage und Zweck — Absenzsituation heute, Ziele (menschlich und wirtschaftlich), Einbettung ins BGM
  2. GrundsĂ€tze — Freiwilligkeit, Transparenz, Datenschutz, Trennung von FallfĂŒhrung und disziplinarischer Funktion
  3. Geltungsbereich — wer erfasst ist (alle Mitarbeitenden, inkl. Kader), was erfasst ist
  4. Prozess — Fristenraster, Triage-Kriterien, Fallphasen, Fallabschluss (aus M4)
  5. Rollen und Verantwortlichkeiten — Rollenmodell unten
  6. Datenbearbeitung — Einwilligung, getrennte Fallakte, Zugriffsrechte, Aufbewahrung und Löschung
  7. Schnittstellen — KTG, IV, Suva, PK, externe Anbieter, interne Sozialberatung
  8. Kennzahlen und Reporting — was, an wen, in welchem Rhythmus, mit welchen Aggregationsgrenzen (M7)
  9. Inkraftsetzung — Pilot, Rollout, ÜberprĂŒfung nach 12 Monaten

Das Konzept juristisch prĂŒfen lassen (Arbeitsrecht + Datenschutz) und von der GeschĂ€ftsleitung formell verabschieden. Daraus abgeleitet entstehen die operativen Dokumente: Kurz-Reglement fĂŒr die Belegschaft, Leitfaden fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte, Vorlagen (siehe Downloads).

Das Rollenmodell

RolleVerantwortetVerantwortet nicht
FĂŒhrungskraftFrĂŒherkennung, Kontakt ab Tag 1, RĂŒckkehr- und FĂŒrsorgegesprĂ€che, Umsetzung des Stufenplans im TeamFallfĂŒhrung, medizinische EinschĂ€tzungen, Datensammlung ĂŒber Gesundheit
Case ManagerTriage, FallfĂŒhrung (Intake bis Abschluss), Koordination aller Akteure, Fallakte, ReportingDisziplinarisches, KĂŒndigungen, Leistungsbeurteilung
HR-Business-PartnerAdministration, KTG-Meldungen, arbeitsrechtliche Schiene, Vertragsanpassungen, ggf. TrennungsprozessZugriff auf die Fallakte des CM
GeschÀftsleitungCommitment, Ressourcen, Konzept-Verabschiedung, Kennzahlen-ReviewEinzelfallentscheide im CM
Versicherer / IVLeistungen, medizinische AbklÀrungen, Eingliederungsinstrumentebetriebliche Entscheide

Die CM-Stelle: AufhÀngung, Profil, Dimensionierung

  • AufhĂ€ngung: idealerweise als Fach-/Stabsstelle mit direktem Draht zur HR-Leitung, aber ausserhalb der HR-Linienprozesse (Rekrutierung, Disziplinarisches, Trennungen). Diese sichtbare UnabhĂ€ngigkeit ist die Grundlage des Vertrauens — «die Person, die mir hilft, ist nicht die Person, die mich beurteilt».
  • Anforderungsprofil: CAS/MAS Case Management oder gleichwertige Erfahrung (Versicherer, IV-Stelle, Kliniksozialdienst), Kenntnis des Schweizer Sozialversicherungssystems, hohe GesprĂ€chskompetenz, Standing gegenĂŒber Kader und Versicherern, absolute Verschwiegenheit.
  • Dimensionierung: Praxis-Faustregel: ein Case Manager betreut parallel etwa 25–40 laufende FĂ€lle; je nach Branche und Absenzniveau entspricht das grob 50–100 Stellenprozenten pro 1'000 Mitarbeitende. FĂŒr den Start: mit einer Person plus externem Überlauf-Partner beginnen und nach dem ersten Jahr anhand der realen Fallzahlen justieren.
  • Stellvertretung und Supervision: von Anfang an regeln — Fallarbeit ohne Supervision/Intervision fĂŒhrt in die Isolation und zu blinden Flecken.

Kommunikation: die EinfĂŒhrung verkaufen

  • Botschaft: «Wir lassen niemanden allein, der gesundheitlich ausfĂ€llt» — UnterstĂŒtzungsangebot, nicht Kontrollinstrument. Die wirtschaftliche Seite gegenĂŒber GL und Kader offen benennen, gegenĂŒber der Belegschaft die menschliche in den Vordergrund stellen — beides ist wahr.
  • Sozialpartner/Personalkommission vor der Belegschaft informieren und ihre RĂŒckmeldungen ins Reglement einarbeiten — ihr Support entscheidet ĂŒber die Aufnahme im Betrieb.
  • KanĂ€le: Kader-Briefing durch die GL, Info-Veranstaltung oder -Video fĂŒr alle, Intranet-Seite mit FAQ («Muss ich mitmachen?», «Wer erfĂ€hrt was?»), Aufnahme ins Onboarding. → Fertig formulierter Startpunkt: Merkblatt fĂŒr Mitarbeitende.
  • Gesicht zeigen: Die Case Managerin stellt sich persönlich vor (Kadermeetings, Team-Besuche). Menschen vertrauen Personen, nicht Prozessen.

Schulung der FĂŒhrungskrĂ€fte (Voraussetzung, nicht Option)

Format: halber Tag, obligatorisch, vor dem Go-live ihres Bereichs. Inhalte: der Prozess und ihre Rolle darin (Fristenraster!), RĂŒckkehr- und FĂŒrsorgegesprĂ€ch mit Übungssequenz, Grundwissen psychische Gesundheit, Datenschutz-Grenzen («was ich nie frage und nie weitergebe»), Zusammenarbeit mit der CM-Stelle. Auffrischung alle zwei Jahre und fester Baustein in jeder FĂŒhrungsausbildung.

→ Ein komplettes Schulungskonzept mit Ablauf, Szenariokarten und Materialien findest du als Vorlage in dieser App; als Handout dazu das Merkblatt fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte.

Pilotierung

  • Bereichswahl: ein bis zwei Bereiche mit relevantem Absenzniveau und aufgeschlossener Linienleitung — der Pilot soll lernen, nicht glĂ€nzen.
  • Dauer: drei bis sechs Monate; vorher definierte Erfolgskriterien (z. B. 100 % der Triage-FĂ€lle innert Frist bearbeitet, Zufriedenheit der Beteiligten, erste Wiedereingliederungen).
  • Auswertung: Zahlen und Erfahrungen (Interviews mit FĂŒhrungskrĂ€ften, betroffenen Personen, Versicherer) → Prozess nachschĂ€rfen → dann Rollout.
Stolperstein

Die drei hĂ€ufigsten GrĂŒnde, warum BCM-EinfĂŒhrungen scheitern: 1) Die GL verabschiedet das Konzept, lebt es aber nicht (kĂŒndigt z. B. im ersten schwierigen Fall doch schnell) — deshalb Commitment an konkreten FĂ€llen einfordern. 2) Die FĂŒhrungskrĂ€fte wurden informiert statt geschult — Information erzeugt kein Verhalten. 3) Das BCM wird als Sparprogramm kommuniziert — dann meldet sich niemand freiwillig, und die FĂ€lle kommen zu spĂ€t.

Links & Literatur zu diesem Modul

Modul 7 · Umsetzen

Kennzahlen & Wirksamkeit

Lernziel: Du kannst ein schlankes BCM-Reporting aufsetzen, den Nutzen in Franken plausibilisieren und die Datenschutz-Grenzen des Reportings einhalten.

Das Kennzahlen-Set (bewusst schlank)

Die ersten beiden Kennzahlen (Absenzquote, -hĂ€ufigkeit) stammen aus dem Absenzenmanagement und werden dort ausfĂŒhrlich hergeleitet — inklusive Rechenregeln, Bradford-Faktor und Datenschutz-Fallen: A4 · Kennzahlen & Analyse. Hier geht es um die Fall-Kennzahlen des CM. Sinnvollerweise laufen beide in einen gemeinsamen Quartalsbericht (siehe Vorlage Quartalsreport).

KennzahlDefinitionWofĂŒr sie gut ist
AbsenzquoteAusfalltage Ă· Solltage × 100, getrennt nach Krankheit/Unfall und nach Kurz-/Langzeit (Grenze z. B. 30 Tage)Gesamtbild und Trend; Basis fĂŒr den Business Case (Details in AM · A4)
AbsenzhÀufigkeitAnzahl AbsenzfÀlle pro 100 MitarbeitendeErkennt Muster, die die Quote versteckt (viele Kurzabsenzen)
Anzahl CM-FÀlleeröffnet / laufend / abgeschlossen pro QuartalAuslastung der CM-Stelle, Dimensionierung
Zeit bis TriageTage von Absenzbeginn bis Triage-EntscheidProzessdisziplin — die frĂŒheste Warnlampe
Durchschnittliche FalldauerTage von Falleröffnung bis AbschlussWirksamkeit der FallfĂŒhrung ĂŒber die Zeit
WiedereingliederungsquoteAnteil FĂ€lle, die 6 Monate nach Abschluss noch angestellt und im Zielpensum sindDie eigentliche Erfolgskennzahl — Nachhaltigkeit statt Schnelligkeit
KTG-Schadenverlauf & PrÀmiensatzgemÀss Jahresabrechnung des VersicherersDer direkteste Franken-Hebel des BCM

Beispiel-Business-Case (illustrative Grössenordnung)

Rechenbeispiel: Unternehmen mit 800 Mitarbeitenden
  • Absenzquote 4,5 % bei ≈ 220 Solltagen/Person → ≈ 7'900 Ausfalltage pro Jahr
  • Vollkosten pro Ausfalltag (Lohn, Ersatz, ProduktivitĂ€tsverlust) konservativ CHF 600–1'000 → Gesamtkosten CHF 4,7–7,9 Mio. pro Jahr
  • Realistische Wirkung eines BCM in den ersten 2–3 Jahren: Reduktion der Ausfalltage um 10–15 % (v. a. ĂŒber verkĂŒrzte LangzeitfĂ€lle) → CHF 0,5–1,2 Mio. pro Jahr
  • Kosten: 1 Case Manager (inkl. Nebenkosten) + Tool + Schulungen + externer Partner ≈ CHF 200'000–250'000 pro Jahr
  • → Kosten-Nutzen-VerhĂ€ltnis in der Grössenordnung 1:2 bis 1:4 — das deckt sich mit den in der Praxis berichteten Werten. Dazu kommen nicht bezifferte Effekte: KTG-PrĂ€mien, Fluktuation, Arbeitgeberimage.

Rechne den Case mit euren echten Zahlen (Absenzstatistik, Lohnsumme, KTG-Abrechnung) — und prĂ€sentiere Spannen statt Scheingenauigkeit. Das macht dich glaubwĂŒrdiger, nicht schwĂ€cher.

Reporting-Aufbau

  • Quartalsreport an die GL (1–2 Seiten): Kennzahlen-Set mit Trend, 2–3 anonymisierte FallverlĂ€ufe als Illustration, EngpĂ€sse und AntrĂ€ge. → Komplette Struktur mit Beispielinhalt: Vorlage Quartalsreport.
  • Jahresbericht: Entwicklung gegenĂŒber Vorjahr, KTG-PrĂ€mien/Schadenverlauf, Wiedereingliederungsquote, Erkenntnisse fĂŒr die PrĂ€vention (BrĂŒcke zur BGF), Ziele fĂŒrs Folgejahr.
  • FĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte: nur aggregierte Bereichszahlen oberhalb der Aggregationsgrenze — keine Fallinformationen.
Stolperstein

Reporting nie unterhalb einer Aggregationsgrenze (z. B. 20 Personen) ausweisen und Kennzahlen nie mit Diagnose- oder Fallinformationen verknĂŒpfen. Und: Die Absenzquote nicht als FĂŒhrungskrĂ€fte-Zielgrösse mit Bonus verknĂŒpfen — das erzeugt PrĂ€sentismus (krank zur Arbeit) und Druck auf Meldungen, also genau das Gegenteil von FrĂŒherkennung.

Links & Literatur zu diesem Modul

Modul 8 · Umsetzen

Weiterbildung & Ressourcen

Lernziel: Du hast deinen persönlichen Qualifizierungsweg und weisst, wo dein Wissensnetzwerk sitzt.

Qualifizierungswege im Überblick

FormatFĂŒr wenAufwand
CAS Case Management (BFH mit HSLU, ZHAW, OST, FHNW)Die kĂŒnftige CM-Stelle (faktisch Einstellungsstandard) und dich als Projektverantwortlichen, wenn du tief einsteigen willstberufsbegleitend, ca. 1 Jahr, 10–15 ECTS
NDK/Weiterbildungen im Gesundheitswesen (z. B. Careum)CM mit Fokus Gesundheitswesen/Pflege-Hintergrundmehrere Monate
Kurzseminare (WEKA, HR-Bildungsanbieter)Dich fĂŒr den Projektstart; HR-Team; ideal vor der Konzeptphase1–2 Tage
ensa Erste Hilfe psychische GesundheitFĂŒhrungskrĂ€fte und CM-Stelleca. 2 Tage
Netzwerk CM — Tagungen & FachgruppenLaufende Vernetzung der CM-Stellepunktuell

Empfehlung fĂŒr dich persönlich: Starte mit einem 1–2-tĂ€gigen Praxisseminar zu Absenz-/Case Management (schnelles Fundament fĂŒr die Konzeptphase), gib der kĂŒnftigen CM-Stelle den CAS mit — und entscheide nach dem Pilot, ob du selbst den CAS anhĂ€ngst. FĂŒr die Fachbegleitung des Projekts kannst du zudem punktuell einen erfahrenen externen Case Manager als Sparringpartner mandatieren.

Standards und Netzwerk

Die Berufsbezeichnung «Case Manager» ist in der Schweiz nicht geschĂŒtzt. Referenz sind die Definitionen und Standards des Netzwerks Case Management Schweiz samt Kompetenzprofil — nutze sie als Messlatte fĂŒr Stellenprofil, Konzept und die Auswahl externer Anbieter. Eine Mitgliedschaft der CM-Stelle im Netzwerk lohnt sich fĂŒr Austausch und Weiterbildung.

Die Bibliothek: Literatur gesamt
  • Methode: Wendt, «Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen» (Lambertus) · Löcherbach et al., «Case Management: Fall- und Systemsteuerung» (Reinhardt).
  • GesprĂ€chsfĂŒhrung: Miller/Rollnick, «Motivierende GesprĂ€chsfĂŒhrung».
  • BGM-Einbettung: Uhle/Treier, «Betriebliches Gesundheitsmanagement» (Springer).
  • Schweizer Arbeitsrecht: ein aktuelles Praxishandbuch griffbereit halten (z. B. Geiser/MĂŒller/PĂ€rli, «Arbeitsrecht in der Schweiz», StĂ€mpfli).

Alle Portale und MerkblÀtter findest du gesammelt unter Downloads & Vorlagen.

Werkzeuge · Auf einen Blick

Die zehn wichtigsten Tipps aus allen Modulen

  1. FrĂŒh ist alles. Kontakt ab Tag 1–3, Triage spĂ€testens an Tag 30, IV-FrĂŒherfassung aktiv nutzen — jede Woche Verzögerung senkt die RĂŒckkehrwahrscheinlichkeit. (M3, M4)
  2. Erst Absenzenmanagement, dann Case Management. Ohne verlÀssliche Absenzdaten und automatische Trigger fliegt dein CM blind. (M6 · Absenzenmanagement 101)
  3. FallfĂŒhrung und Disziplinarisches personell trennen. «Die Person, die mir hilft, ist nicht die Person, die mich beurteilt» — darauf beruht das ganze Vertrauen. (M6)
  4. Fallakte strikt vom Personaldossier trennen und schriftliche Einwilligung mit konkret benannten InformationsflĂŒssen einholen. Der hĂ€ufigste Rechtsfehler in der Praxis. (M2)
  5. Nie nach der Diagnose fragen — immer nach der Zumutbarkeit. Das REP von Compasso ĂŒbersetzt Medizin in ArbeitsfĂ€higkeit. (M2, M3)
  6. Jeder offene Fall hat einen nÀchsten Termin. Ein Fall ohne nÀchsten Termin ist ein versandender Fall. (M4)
  7. Bei psychischen Erkrankungen: Kontakt halten und langsam aufbauen. Kontaktabbruch und zu schneller Vollausbau sind die zwei grössten RĂŒckfalltreiber. (M5)
  8. FĂŒhrungskrĂ€fte schulen, nicht nur informieren — mit GesprĂ€chsĂŒbung, vor dem Go-live, obligatorisch. Information erzeugt kein Verhalten. (M5, M6)
  9. Den Versicherer als VerbĂŒndeten fĂŒhren: feste Ansprechpersonen, Austauschrhythmus, Stufenplan-Finanzierung vorab schriftlich klĂ€ren — und die IV-Anmeldung spĂ€testens nach sechs Monaten prĂŒfen. (M3, M4)
  10. Wirkung ausweisen, aber sauber: schlankes Kennzahlen-Set, Spannen statt Scheingenauigkeit, Aggregationsgrenze im Reporting, Absenzquote nie als Bonusziel. (M7)

Werkzeuge · Fortschrittskontrolle

Checkliste: EinfĂŒhrung des Case Managements

Hake ab, was erledigt ist — der Stand wird lokal in deinem Browser gespeichert und ist beim nĂ€chsten Besuch wieder da. Die Phasen entsprechen der Roadmap auf der Startseite.

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Phase 0 · Grundlagen & Analyse (Monat 1–2)

Phase 1 · Konzept & Entscheid (Monat 3–4)

Phase 2 · Aufbau (Monat 5–6)

Phase 3 · Pilot (Monat 7–9)

Phase 4 · Rollout (Monat 10–12)

Phase 5 · Betrieb & Verbesserung (laufend)

Werkzeuge · Material

Downloads & Vorlagen

Alles Material an einem Ort: offizielle MerkblĂ€tter und Portale zum Nachschlagen — und Arbeitsvorlagen, die du direkt als Datei herunterladen und im Unternehmen anpassen kannst.

Offizielle MerkblÀtter & Portale

  • Merkblatt 4.12 — FrĂŒherfassung & FrĂŒhinterventionDie offizielle Kurzreferenz zu Meldung, Fristen und IV-Instrumenten (ahv-iv.ch, PDF)Öffnen
  • Alle AHV/IV-MerkblĂ€tterÜbersicht aller MerkblĂ€tter, u. a. zu beruflichen Massnahmen, Rente, TaggeldÖffnen
  • Compasso — Arbeitgeberportal EingliederungREP-Formular, ProzessleitfĂ€den, Checklisten, Fallbeispiele — dein wichtigstes PraxisportalÖffnen
  • BSV — FrĂŒherfassung und FrĂŒhinterventionGrundlagen des Bundesamts fĂŒr SozialversicherungenÖffnen
  • Netzwerk Case Management SchweizStandards, Kompetenzprofil, Tagungen — die fachliche ReferenzÖffnen
  • EDÖB — Datenschutz im ArbeitsverhĂ€ltnisLeitfĂ€den des Eidg. Datenschutzbeauftragten zum revidierten DSGÖffnen
  • SECO — ArbeitsrechtFAQ und BroschĂŒren zu Lohnfortzahlung, ArbeitsunfĂ€higkeit, KĂŒndigungsschutzÖffnen
  • Gesundheitsförderung SchweizBGM-Kriterien, Friendly Work Space, Job-Stress-IndexÖffnen
  • Suva — Wiedereingliederung nach UnfallNew Case Management und Arbeitgeber-InformationenÖffnen
  • ensa — Erste Hilfe fĂŒr psychische GesundheitKursangebot fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte und CM-Stelle (Pro Mente Sana)Öffnen
  • CAS Case ManagementWeiterbildungs-Angebote: BFH/HSLU, OST, FHNWBFH öffnen

Vorlagen-Seiten in dieser App

Vier inhaltlich ausgearbeitete Vorlagen als eigene Seiten — direkt aus dem Lernprozess verlinkt, hier gesammelt:

  • Schulungskonzept FĂŒhrungskrĂ€fte-HalbtagAblauf, Szenariokarten fĂŒr Rollenspiele, Materialien, Erfolgskontrolle (zu M6)Öffnen
  • Merkblatt MitarbeitendeFertig formulierter FAQ-Text fĂŒr Intranet und Onboarding (zu M6)Öffnen
  • Merkblatt FĂŒhrungskrĂ€fteRolle, Fristenkarte, GesprĂ€chsstruktur, No-Gos — als A4-Handout (zu M4/M5)Öffnen
  • Quartalsreport an die GeschĂ€ftsleitungStruktur mit Beispielzahlen und -texten, inkl. Jahresbericht-ErgĂ€nzung (zu M7)Öffnen

Arbeitsvorlagen zum Herunterladen

Diese Vorlagen werden direkt hier erzeugt und als Markdown-Datei (.md) heruntergeladen — in Word oder jedem Editor zu öffnen und ans Unternehmen anzupassen. Wichtig: Einwilligung und Reglement vor dem Einsatz juristisch prĂŒfen lassen.

  • EinwilligungserklĂ€rung Case ManagementDatenschutzkonforme Einwilligung mit konkret benannten InformationsflĂŒssen
  • Fristenraster BCMDer Prozess von Tag 1 bis Monat 12 mit Verantwortlichkeiten (aus M4)
  • Triage-ChecklisteHarte und weiche Kriterien fĂŒr den Fall-Entscheid an Tag 30
  • Leitfaden RĂŒckkehrgesprĂ€chStruktur, Beispielfragen und Don'ts fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte (aus M5)
  • Stufenplan WiedereinstiegVorlage fĂŒr den gestuften Wiedereinstieg mit Schongrenzen und Checkpoints
  • Gliederung BCM-Konzept / GL-AntragDie bewĂ€hrte Konzept-Struktur aus M6 inkl. Business-Case-Baustein aus M7

Vorlage · Startpunkt zum Anpassen

Schulungskonzept: FĂŒhrungskrĂ€fte-Halbtag BCM

Verwendung: Grundlage fĂŒr die obligatorische Schulung aus M6 — vor dem Go-live jedes Bereichs. Passe Zahlen, Namen und Beispiele an dein Unternehmen an.

Eckdaten

  • Ziel: Jede FĂŒhrungskraft kennt ihre Rolle im BCM-Prozess, kann ein RĂŒckkehr- und ein FĂŒrsorgegesprĂ€ch fĂŒhren und kennt die Datenschutz-Grenzen.
  • Dauer: ein halber Tag (ca. 3,5 Stunden) · Gruppengrösse: max. 12 Personen (wegen GesprĂ€chsĂŒbung) · Teilnahme: obligatorisch, vor Go-live des eigenen Bereichs.
  • Leitung: Case Manager/in (Prozess, GesprĂ€che) + HR (Recht, Administration); BegrĂŒssung durch ein GL-Mitglied — das sichtbare Commitment ist Teil der Botschaft.
  • Auffrischung: alle zwei Jahre (90 Minuten, Fokus GesprĂ€chspraxis und Lehren aus realen FĂ€llen); fester Baustein jeder neuen FĂŒhrungsausbildung.

Ablauf

ZeitBausteinInhalt & Methode
15'BegrĂŒssung durch GLWarum wir das tun: FĂŒrsorge und Wirtschaftlichkeit; Erwartung an die FĂŒhrungsrolle. Kurz und persönlich.
20'Warum BCM?Eigene Absenzzahlen des Unternehmens, Kosten eines Langzeitfalls, «nach 6 Monaten kehrt nur noch die HĂ€lfte zurĂŒck». Input mit 2–3 Folien.
45'Der Prozess & meine RolleFristenraster durchgehen (M4): Was tue ich an Tag 1, 3–5, 14? Wann ĂŒbernimmt die CM-Stelle? Abgrenzung der Rollen. Anhand eines durchgespielten Beispielfalls.
15'Pause
60'GesprĂ€chsĂŒbungRĂŒckkehr- und FĂŒrsorgegesprĂ€ch (M5): kurze Demo, dann Rollenspiele in 3er-Gruppen (FĂŒhrungskraft / Mitarbeiter/in / Beobachter/in) mit den Szenariokarten unten, Auswertung im Plenum.
30'Psychische GesundheitWarnsignale erkennen (RĂŒckzug, Leistungsknick, Reizbarkeit, Kurzabsenzen), Beobachtung statt Interpretation, Grenzen der FĂŒhrungsrolle («wir behandeln nicht»). Hinweis auf ensa-Kurse.
20'Datenschutz-GrenzenWas ich nie frage (Diagnose), was ich nie dokumentiere oder weitererzÀhle; was die CM-Stelle darf und ich nicht. Kurzquiz mit 5 Ja/Nein-FÀllen.
20'CM-Stelle & AbschlussVorstellung Case Manager/in, Kontaktweg, FAQ; jede FĂŒhrungskraft nennt einen konkreten Vorsatz. Abgabe Merkblatt FĂŒhrungskrĂ€fte.

Szenariokarten fĂŒr die GesprĂ€chsĂŒbung (Beispiele)

  • Szenario 1 — RĂŒckkehrgesprĂ€ch: Mitarbeiter M. war zwei Wochen weg («RĂŒcken»). Es ist die dritte Absenz in vier Monaten. M. wirkt angespannt und erwartet VorwĂŒrfe. Aufgabe: GesprĂ€ch nach der 4-Punkte-Struktur fĂŒhren, ohne nach der Diagnose zu fragen — und den Arbeitsbezug herausarbeiten (M. hebt tĂ€glich schwere Kisten, das Hilfsmittel ist seit Monaten defekt).
  • Szenario 2 — FĂŒrsorgegesprĂ€ch: Mitarbeiterin K. ist seit Wochen still, macht FlĂŒchtigkeitsfehler, sagt TeamanlĂ€sse ab; letzte Woche zweimal kurzfristig krank. Aufgabe: Beobachtungen wertschĂ€tzend ansprechen («mir ist aufgefallen  »), zuhören, ein Angebot machen — ohne Diagnose-Spekulation («Burnout?») und ohne Druck.

Materialien & Erfolgskontrolle

  • Foliensatz (Zahlen, Prozess, Rollen) · Merkblatt FĂŒhrungskrĂ€fte als Handout · Fristenraster und Leitfaden RĂŒckkehrgesprĂ€ch aus den Downloads · Szenariokarten.
  • Feedbackbogen am Schluss (VerstĂ€ndlichkeit, Sicherheit fĂŒr die GesprĂ€chsfĂŒhrung, offene Fragen) — Ergebnisse fliessen in die nĂ€chste DurchfĂŒhrung ein.
  • Wirksamkeitskontrolle im Betrieb: Zeit-bis-Kontakt und Zeit-bis-Triage im Bereich vor/nach der Schulung vergleichen (M7).

Vorlage · Startpunkt zum Anpassen

Merkblatt fĂŒr Mitarbeitende: «Case Management bei [Firma]»

Verwendung: Belegschafts-Kommunikation aus M6 — als Intranet-Seite, PDF-Beilage zum Lohnbrief oder Onboarding-Unterlage. Der Text unten ist bewusst fertig formuliert; ersetze die Platzhalter.

Vorlagetext — ab hier ĂŒbernehmen

Wir lassen Sie nicht allein

Wenn Sie wegen Krankheit oder Unfall lĂ€ngere Zeit ausfallen, geht es um viel: Ihre Gesundheit, Ihre Stelle, Ihre finanzielle Sicherheit. Damit Sie in dieser Situation nicht alles selbst koordinieren mĂŒssen, gibt es bei [Firma] das Case Management: eine Fachperson, die Sie unterstĂŒtzt, den Überblick behĂ€lt und gemeinsam mit Ihnen Ihre RĂŒckkehr plant.

Wann kommt das Case Management auf mich zu?

In der Regel, wenn Sie lĂ€nger als 30 Tage arbeitsunfĂ€hig sind oder mehrmals hintereinander ausfallen. Unsere Case Managerin / unser Case Manager [Name] meldet sich dann bei Ihnen — unverbindlich und zuerst einfach zum Zuhören. Sie können sich auch jederzeit selbst melden: [Telefon, E-Mail].

Die hÀufigsten Fragen

  • Muss ich mitmachen? Nein. Die Teilnahme ist freiwillig, und Sie können sie jederzeit beenden. Ihre AnsprĂŒche auf Lohnfortzahlung und Taggeld hĂ€ngen nicht davon ab. (UnabhĂ€ngig davon gelten die ĂŒblichen Pflichten wie das Einreichen von Arztzeugnissen.)
  • Wer erfĂ€hrt was ĂŒber mich? Nur, was Sie schriftlich erlauben. Zu Beginn legen wir gemeinsam fest, wer mit wem sprechen darf. Ihre Diagnose gehört nicht dazu: Ihre FĂŒhrungskraft und HR erfahren nur, was Sie arbeiten können und was angepasst werden soll — nie, woran Sie erkrankt sind.
  • Was passiert mit meinen Daten? Das Case Management fĂŒhrt eine separate, vertrauliche Fallakte, getrennt von Ihrem Personaldossier. Niemand sonst hat Zugriff. Nach Abschluss wird die Akte nach [X Jahren] gelöscht. Sie können Ihre Akte jederzeit einsehen.
  • Was bringt es mir konkret? Eine Person, die alles koordiniert (Versicherung, IV, Ärzte, Betrieb), damit Sie sich auf Ihre Genesung konzentrieren können; einen fairen, gestuften Wiedereinstieg statt «von 0 auf 100»; und frĂŒhzeitige KlĂ€rung der finanziellen Fragen (Taggeld, allenfalls IV-Leistungen), bevor LĂŒcken entstehen.
  • Hat das Einfluss auf meine Anstellung? Das Case Management ist ein UnterstĂŒtzungsangebot und kein Beurteilungsinstrument. Die Case Managerin / der Case Manager ist nicht an KĂŒndigungs- oder Beförderungsentscheiden beteiligt.
  • An wen wende ich mich? [Name, Funktion, Telefon, E-Mail, BĂŒro]. Vertraulich und auch fĂŒr Fragen, bevor etwas «gross» wird.

[Firma], [Datum] — dieses Merkblatt gehört zum Reglement Betriebliches Case Management vom [Datum].

Hinweise zur Anpassung: Ton bewusst nah und konkret halten (kein Verwaltungsdeutsch); die Freiwilligkeit und der Diagnose-Schutz sind die zwei Punkte, die am meisten Vertrauen schaffen — nicht kĂŒrzen. Vor Publikation juristisch prĂŒfen lassen und mit dem Sozialpartner abstimmen (M6).

Vorlage · Startpunkt zum Anpassen

Merkblatt fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte: Ihre Rolle im Case Management

Verwendung: Handout der FĂŒhrungskrĂ€fte-Schulung, Spickzettel fĂŒrs Pult. Ideal als eine A4-Seite, beidseitig.

Vorlagetext — ab hier ĂŒbernehmen

Ihre Rolle in fĂŒnf Punkten

  1. Sie sind die erste Anlaufstelle: Krankmeldungen kommen zu Ihnen, persönlich.
  2. Sie halten wohlwollenden Kontakt wĂ€hrend der Absenz — Interesse zeigen, nicht kontrollieren.
  3. Sie fĂŒhren RĂŒckkehrgesprĂ€che nach jeder Absenz und FĂŒrsorgegesprĂ€che bei Warnsignalen.
  4. Sie setzen StufenplĂ€ne im Team um und schĂŒtzen die vereinbarten Schongrenzen.
  5. Sie erkennen frĂŒh und ĂŒbergeben rechtzeitig an die CM-Stelle — FallfĂŒhrung ist nicht Ihre Aufgabe.

Ihre Fristenkarte

  • Tag 1: Krankmeldung entgegennehmen, Absenz im System erfassen.
  • Tag 3–5: anrufen: «Wie geht es Ihnen? Was können wir tun?» Kontaktrhythmus vereinbaren.
  • Tag 14: HR ist informiert, Arztzeugnis liegt vor.
  • Tag 30: die CM-Stelle ĂŒbernimmt die Triage — Sie bleiben im Kontakt.
  • Jederzeit: bei Warnsignalen (RĂŒckzug, Leistungsknick, hĂ€ufige Kurzabsenzen) FĂŒrsorgegesprĂ€ch fĂŒhren und im Zweifel die CM-Stelle beiziehen.

Das RĂŒckkehrgesprĂ€ch in vier Schritten

1) «Schön, sind Sie wieder da — wie geht es Ihnen?» · 2) Kurz-Update aus dem Team · 3) «Gibt es etwas an der Arbeit, das zur Absenz beigetragen hat? Sollen wir etwas anpassen?» · 4) Vereinbarungen festhalten. — 10 bis 15 Minuten, unter vier Augen, bei allen gleich.

Was Sie nie tun

  • Nach der Diagnose fragen — auch nicht beilĂ€ufig. Sie dĂŒrfen wissen, was jemand kann, nicht was jemand hat.
  • Gesundheitsinformationen notieren, im Team erzĂ€hlen oder in Beurteilungen einfliessen lassen.
  • Druck aufbauen oder mit Konsequenzen drohen — das ist weder Ihre Rolle noch wirksam.
  • Bei psychischen Themen «therapieren» — Sie schaffen gute Arbeitsbedingungen, die Behandlung machen Fachleute.

Ihre Ansprechperson

Case Management: [Name, Telefon, E-Mail]. Lieber einmal zu frĂŒh anrufen als einmal zu spĂ€t.

Hinweise zur Anpassung: Fristen an euer Fristenraster angleichen; auf eine Seite kĂŒrzen, was nicht zwingend ist — dieses Blatt wirkt durch Griffigkeit. Vertiefung fĂŒr Interessierte: M4 (Prozess) und M5 (GesprĂ€che).

Vorlage · Startpunkt zum Anpassen

Quartalsreport BCM an die GeschÀftsleitung

Verwendung: das Reporting aus M7 — 1–2 Seiten, quartalsweise, Verteiler GL und HR-Leitung, Klassifizierung «vertraulich». Die Beispielzahlen unten zeigen den Detaillierungsgrad; ersetze sie durch eure Werte.

Vorlage — Struktur mit Beispielinhalt

Kopf

BCM-Quartalsreport Q[X]/20[XX] · Verfasst: [Case Manager/in], [Datum] · Verteiler: GL, Leitung HR · Vertraulich — Zahlen unterhalb der Aggregationsgrenze (20 Personen) werden nicht ausgewiesen.

1 · Management Summary (3 SÀtze)

Beispiel: «Die Absenzquote liegt mit 4,1 % um 0,3 Punkte unter dem Vorjahresquartal. 14 laufende CM-FĂ€lle, davon 5 in der Wiedereingliederung; die Zeit bis zur Triage hĂ€lt mit Ø 26 Tagen erstmals die 30-Tage-Vorgabe ein. Handlungsbedarf besteht bei den psychisch bedingten LangzeitfĂ€llen im Bereich [X] — Antrag siehe Ziffer 6.»

2 · Kennzahlen

KennzahlQ aktuellQ VorjahrTrend / Kommentar
Absenzquote gesamt4,1 %4,4 %↘ rĂŒcklĂ€ufig, v. a. Langzeit
davon Langzeit (> 30 Tage)1,6 %2,0 %↘ Wirkung der frĂŒhen Triage
CM-FÀlle eröffnet / laufend / abgeschlossen6 / 14 / 58 / 17 / 3Auslastung CM-Stelle: gut
Zeit bis Triage (Ø Tage)2641↘ Vorgabe (30) erreicht
Falldauer abgeschlossene FĂ€lle (Ø Tage)148176↘
Wiedereingliederungsquote (6 Mte nach Abschluss)71 %64 %↗ 5 von 7 nachhaltig zurĂŒck

3 · Fallportfolio nach Abschluss-Szenario

Beispiel: Von 5 abgeschlossenen FĂ€llen: 3 × Szenario A (RĂŒckkehr angestammt), 1 × Szenario B (angepasste Funktion, mit IV-Einarbeitungszuschuss), 1 × Szenario C (geordnete Trennung mit Übergabe an IV-Berufsberatung).

4 · Fallvignetten (anonymisiert, je 3–4 SĂ€tze)

Beispiel: «Mitarbeiter, 50+, gewerblicher Bereich, nach Operation 4 Monate abwesend. Dank IV-Arbeitsversuch und angepasstem Aufgabenprofil seit 6 Wochen wieder zu 80 % im Einsatz; Vollpensum per [Monat] realistisch. Gelernt: Der frĂŒhe Einbezug der IV-Eingliederungsfachperson hat rund 2 Monate gespart.»

5 · EngpÀsse & Risiken

Beispiel: «HĂ€ufung psychisch bedingter FĂ€lle im Bereich [X] (oberhalb Aggregationsgrenze) — Hinweis auf Belastungssituation, AbklĂ€rung mit Bereichsleitung lĂ€uft. RĂŒckmeldung Versicherer: Schadenmeldungen aus Bereich [Y] treffen wiederholt verspĂ€tet ein.»

6 · AntrÀge an die GL

Beispiel: «1) Freigabe Team-Workshop Arbeitsorganisation Bereich [X] (CHF 
); 2) Kenntnisnahme: KTG-PrĂ€mienverhandlung im [Monat] — der verbesserte Schadenverlauf wird eingebracht.»

JÀhrliche ErgÀnzung (Q4 / Jahresbericht)

ZusĂ€tzlich: Entwicklung KTG-PrĂ€miensatz und Schadenverlauf · Jahres-Wiedereingliederungsquote · Kosten-Nutzen-SchĂ€tzung (Rechenmodell M7) · Erkenntnisse fĂŒr die PrĂ€vention · Ziele Folgejahr.

Hinweise zur Anpassung: Nie unter der Aggregationsgrenze berichten, keine Diagnosen in Vignetten, Trends statt Einzelwerte betonen. Der Report ist auch dein Instrument, um das GL-Commitment lebendig zu halten (M6) — deshalb immer mit konkreten AntrĂ€gen schliessen.

Curriculum · Schweiz · Absenzenmanagement

Absenzen systematisch erfassen, verstehen und reduzieren

Dein Lernprogramm in sieben Modulen — vom sauberen BegriffsgerĂŒst ĂŒber Erfassung und Kennzahlen bis zur PrĂ€vention. Das Absenzenmanagement ist das Fundament, auf dem das Case Management aufsetzt.

Worum es geht

Absenzenmanagement ist die systematische Erfassung, Analyse und Steuerung aller Abwesenheiten im Unternehmen. Es beantwortet die Fragen: Wer fehlt wann, wie oft, wie lange — und warum? Daraus entstehen drei Dinge: eine verlĂ€ssliche Datenbasis (fĂŒr FĂŒhrung, KTG-Meldungen und Kennzahlen), ein FrĂŒhwarnsystem (auffĂ€llige Muster und LangzeitfĂ€lle werden sichtbar, bevor sie teuer werden) und die Trigger fĂŒr das Case Management (Tag 30, wiederholte Kurzabsenzen).

Die Reihenfolge ist entscheidend: Erst wenn Absenzen einheitlich definiert, vollstĂ€ndig erfasst und sauber ausgewertet werden, kann ein Case Management wirksam arbeiten — ein CM ohne Absenzdaten fliegt blind.

Die sieben Module

Deinen EinfĂŒhrungsstand hĂ€ltst du in der Checkliste Absenzenmanagement fest; Material und Vorlagen findest du in den Downloads.

Modul A1 · Lernen

Grundlagen & Begriffe

Lernziel: Du kennst die Absenzarten und Definitionen und verstehst, warum ein einheitliches BegriffsgerĂŒst die Voraussetzung fĂŒr alles Weitere ist.

Absenz ist nicht gleich Abwesenheit

Zuerst das Vokabular: Abwesenheiten umfassen alles, was geplant und legitim ist — Ferien, Feiertage, Weiterbildung, MilitĂ€r, Mutterschaft. Absenzen im engeren Sinn sind die ungeplanten, meist gesundheitsbedingten AusfĂ€lle: Krankheit, Unfall, kurzfristige Verhinderungen. Das Absenzenmanagement erfasst beides, steuert aber vor allem das Zweite. Wichtige Unterscheidungen:

  • Kurzabsenz: typischerweise 1–3 Tage, oft ohne Arztzeugnis — einzeln harmlos, als Muster ein FrĂŒhwarnsignal.
  • Langzeitabsenz: ab ca. 30 Tagen — hier entstehen die grossen Kosten, und hier ĂŒbernimmt das Case Management.
  • PrĂ€sentismus: krank zur Arbeit erscheinen — statistisch unsichtbar, aber teuer (Fehler, Ansteckung, verschleppte Erkrankung). Ein gutes Absenzenmanagement will PrĂ€sentismus nicht fördern.

Die Absenzarten im Schweizer Kontext

ArtRechtsgrundlage / LohnersatzFĂŒrs Reporting
KrankheitLohnfortzahlung Art. 324a OR bzw. KTG (siehe CM-Modul M2)Kernkategorie; Kurz-/Langzeit trennen
Berufs-/NichtberufsunfallUVG; Taggeld 80 % ab dem 3. Tag; sofortige Meldung an den UVG-Versichererseparat von Krankheit ausweisen
MutterschaftEO-MutterschaftsentschÀdigung: 14 Wochen, 80 % (max. Taggeldsatz)geplante Abwesenheit, nicht in die Absenzquote mischen
Urlaub des andern ElternteilsEO: 2 Wochen innert 6 Monatengeplant
MilitÀr / Zivildienst / ZivilschutzEO-EntschÀdigunggeplant
Betreuung Angehörigerbezahlter Kurzurlaub bis 3 Tage pro Ereignis / max. 10 Tage pro Jahr; bei schwer krankem Kind Betreuungsurlaub bis 14 Wochen (EO)eigene Kategorie
Kurzfristige VerhinderungenÂ«ĂŒbliche Stunden und Tage» (Arztbesuch, Behördengang) gemĂ€ss Art. 329 OR / Reglementeigene Kategorie, nicht als Krankheit
Unbezahlter UrlaubVereinbarunggeplant

Die Grössenordnungen

Krankheits- und unfallbedingte Absenzen liegen in der Schweiz je nach Branche typischerweise im Bereich von 2–5 % der Sollarbeitszeit (Referenz: Arbeitsvolumenstatistik des BFS). Wichtiger als jeder Benchmark ist aber die eigene Zeitreihe: gleiche Definitionen, gleiche Messung, Entwicklung ĂŒber Jahre. Und die Pareto-Regel des Themas: Wenige LangzeitfĂ€lle verursachen rund die HĂ€lfte aller Ausfalltage — deshalb sind saubere Daten (dieses Curriculum) und Einzelfallsteuerung (Case Management) zwei Seiten derselben Medaille.

Best Practice

Bevor du irgendetwas misst: Definiere den Absenzarten-Katalog schriftlich (Was zĂ€hlt als Krankheit? Ab wann ist eine Absenz «lang»? Wie werden Teilzeit und TeilarbeitsfĂ€higkeit gezĂ€hlt?) und lege fest, dass in Sollstunden statt Tagen gerechnet wird — sonst verzerren Teilzeitpensen jede Quote. Einheitliche Definitionen sind unspektakulĂ€r, aber sie entscheiden, ob deine Zahlen spĂ€ter etwas taugen.

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Modul A2 · Lernen

Recht & Arztzeugnisse

Lernziel: Du kennst Melde- und Nachweispflichten, die Spielregeln rund ums Arztzeugnis und die Datenschutz-Grenzen der Absenzerfassung.

Melde- und Nachweispflicht

Mitarbeitende mĂŒssen eine Verhinderung unverzĂŒglich melden (Treuepflicht) — im Reglement konkretisiert: persönlich/telefonisch bei der direkten FĂŒhrungskraft, vor Arbeitsbeginn, mit voraussichtlicher Dauer. Der Nachweis erfolgt per Arztzeugnis; ĂŒblich ist die Pflicht ab dem 3.–5. Kalendertag (Reglementssache). Wichtig: Das Zeugnis belegt Grad und Dauer der ArbeitsunfĂ€higkeit — nie die Diagnose (Details im CM-Modul M2).

Wenn Zweifel bestehen

  • Zeugnis ab dem ersten Tag: Bei begrĂŒndeten Zweifeln (z. B. wiederholte Muster) darf der Arbeitgeber fĂŒr eine bestimmte Person ein Arztzeugnis ab dem 1. Absenztag verlangen — als dokumentierte Einzelmassnahme, mit Augenmass und im Reglement vorgesehen.
  • VertrauensĂ€rztliche Untersuchung: Der Arbeitgeber (bzw. der KTG-Versicherer gemĂ€ss AVB) kann eine Zweitbeurteilung durch einen Vertrauensarzt verlangen; die Person ist im Rahmen der Zumutbarkeit zur Mitwirkung verpflichtet. Der Vertrauensarzt meldet nur die Beurteilung der ArbeitsfĂ€higkeit zurĂŒck, keine Diagnose.
  • Beweiswert: Ein Arztzeugnis ist keine unumstössliche Tatsache, sondern ein Beweismittel — rĂŒckwirkend ausgestellte Zeugnisse oder Zeugnisse nach dem «Arzt-Hopping» dĂŒrfen hinterfragt werden. Aber: Zweifel gehören auf die HR-Schiene, nicht ins RĂŒckkehrgesprĂ€ch der FĂŒhrungskraft.

HĂ€ufige Rechtsfragen aus der Praxis

  • Krank in den Ferien: Bei Ă€rztlich belegter Krankheit gelten die Ferientage als nicht bezogen — Zeugnispflicht auch im Ausland kommunizieren.
  • Krank in der KĂŒndigungsfrist: Sperrfristen nach Art. 336c OR (30/90/180 Tage) verlĂ€ngern das ArbeitsverhĂ€ltnis — Details im CM-Modul M2.
  • Unfall: sofortige Meldung an den UVG-Versicherer (Meldefristen!); Taggeld 80 % ab dem 3. Tag; Erfassung getrennt von Krankheit.
  • TeilarbeitsfĂ€higkeit: «50 % arbeitsunfĂ€hig» heisst nicht automatisch halbe Tage — mit Arzt klĂ€ren, ob halbe PrĂ€senz oder reduzierte Leistung gemeint ist, und so erfassen.

Datenschutz in der Absenzerfassung

  • Absenzdaten sind Personendaten; sobald ein Gesundheitsbezug erkennbar ist (Kategorie «Krankheit»), gelten die strengeren Regeln des revidierten DSG. Erfasst wird nur, was fĂŒr die DurchfĂŒhrung des ArbeitsverhĂ€ltnisses nötig ist (Art. 328b OR): Kategorie, Beginn, Ende, Grad — nie die Diagnose, auch nicht als Freitext-Notiz.
  • Zugriffskonzept: FĂŒhrungskraft sieht ihr Team (Kategorien und Daten, keine Historie ĂŒber Jahre hinweg ohne Anlass), HR sieht den Betrieb, Auswertungen laufen aggregiert (A4).
  • Aufbewahrung und Löschung im Datenschutzkonzept regeln; Arztzeugnisse gehören ins HR-Dossier mit beschrĂ€nktem Zugriff, nicht in Team-Ablagen.
Stolperstein

Die inoffizielle Excel-Liste mit «Bemerkungen»-Spalte («RĂŒcken», «psychisch», «schon wieder MigrĂ€ne») ist der Klassiker unter den Datenschutzverstössen im Absenzenmanagement — und sie entsteht fast immer aus guter Absicht in der Linie. Klare Regel kommunizieren: Kategorien ja, Gesundheitsdetails nie. Das System (A3) muss das technisch vorgeben, nicht nur die Weisung.

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Modul A3 · Lernen

Erfassung & Systeme

Lernziel: Du kannst den Erfassungsprozess definieren, die Anforderungen an das System formulieren und die DatenqualitÀt dauerhaft sichern.

Der Erfassungsprozess

1 · MeldungTag 1, telefonisch an die FĂŒhrungskraft
2 · Erfassunggleichentags im System, richtige Kategorie
3 · NachweisArztzeugnis-Workflow ab Tag 3–5
4 · MeldungenKTG/UVG fristgerecht, Payroll-Abgleich
5 · RĂŒckkehrEnde erfassen, RĂŒckkehrgesprĂ€ch

Erfasst wird durch die FĂŒhrungskraft (sie hat die Meldung und die NĂ€he), qualitĂ€tsgesichert durch HR (monatlicher VollstĂ€ndigkeits-Check gegen Zeugnisse, Payroll und KTG-Meldungen). Selbsterfassung durch Mitarbeitende funktioniert fĂŒr geplante Abwesenheiten, nicht fĂŒr Krankmeldungen.

Anforderungen an das System

  • Absenzarten-Katalog gemĂ€ss A1, technisch vorgegeben (keine Freitextfelder fĂŒr Gesundheitsinfos)
  • VerlaufsfĂ€higkeit: Grad-Änderungen (100 % → 50 % → zurĂŒck im Pensum) sauber abbildbar — wichtig fĂŒr StufenplĂ€ne des CM
  • Automatische Trigger: Benachrichtigung der CM-Stelle bei Tag 30, bei der 3. Kurzabsenz in 6 Monaten, bei auffĂ€lligen Mustern (CM-Modul M4)
  • Zeugnis-Workflow: Erinnerungen, Ablage mit Zugriffsschutz, Verfalldaten
  • Auswertungen: Kennzahlen aus A4 als Standardreports, mit Aggregationsgrenzen
  • Schnittstellen: Payroll (Lohnfortzahlung/Taggeld-Abrechnung), KTG-/UVG-Schadenmeldung, ggf. Zeitwirtschaft
  • Berechtigungen: rollenbasiert (FĂŒhrungskraft Team, HR Betrieb, CM-Stelle FĂ€lle)

Ob das ein Modul des bestehenden HRIS, die Zeitwirtschaft oder ein spezialisiertes Absenz-Tool leistet, ist zweitrangig — entscheidend ist, dass ein System fĂŒhrend ist und die Liste oben erfĂŒllt. Doppelerfassungen (System + Schatten-Excel) sind der Anfang vom Ende der DatenqualitĂ€t.

DatenqualitÀt dauerhaft sichern

  • VollstĂ€ndigkeit: auch 1-Tages-Absenzen erfassen — gerade sie tragen die Musteranalyse. Stichprobe: Absenztage im System vs. Taggeld-Abrechnungen des Versicherers.
  • ZeitnĂ€he: Erfassung am Meldetag, nicht am Monatsende aus dem GedĂ€chtnis.
  • Einheitlichkeit: jĂ€hrlicher Kurz-Refresher fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte zu den Kategorien; neue FĂŒhrungskrĂ€fte im Onboarding schulen.
  • JĂ€hrlicher Daten-Audit: PlausibilitĂ€t (Quote pro Bereich, verwaiste offene Absenzen, fehlende Zeugnisse) — Ergebnis ins HR-Cockpit.
Best Practice

Definiere eine Service-Line fĂŒr den Meldetag: Was tut die FĂŒhrungskraft, wenn jemand anruft? (Absenz erfassen → gute Besserung wĂŒnschen → Kontakt vereinbaren → bei Bedarf Stellvertretung organisieren.) Wenn die Erfassung in diesen 5-Minuten-Ablauf eingebaut ist, passiert sie zuverlĂ€ssig — als separate Verwaltungsaufgabe wird sie aufgeschoben und vergessen.

Links & Literatur zu diesem Modul
  • WEKA — Arbeitszeit und Absenzen — PraxisbeitrĂ€ge zu Erfassung und Prozessen.
  • Dein HRIS-/Zeitwirtschafts-Handbuch — prĂŒfe zuerst, was das vorhandene System schon kann, bevor du ein neues evaluierst.
  • Trigger-Definitionen fĂŒr das Case Management: CM-Modul M4.

Modul A4 · Lernen

Kennzahlen & Analyse

Lernziel: Du kannst die Kernkennzahlen korrekt berechnen, Muster erkennen, Benchmarks richtig einordnen — und kennst die Grenzen jeder einzelnen Zahl.

Die Kernkennzahlen

KennzahlFormelStÀrke / Grenze
AbsenzquoteAusfallstunden Ă· Sollstunden × 100Das Gesamtbild. In Stunden rechnen (Teilzeit!); nach Krankheit/Unfall und Kurz-/Langzeit aufschlĂŒsseln, sonst versteckt sie mehr, als sie zeigt.
AbsenzhĂ€ufigkeitAnzahl AbsenzfĂ€lle Ă· 100 MitarbeitendeErkennt Kurzabsenz-Muster, die die Quote glattbĂŒgelt. Zusammen mit der Quote lesen: hohe HĂ€ufigkeit + tiefe Quote = viele Kurzabsenzen.
Ø Dauer pro FallAusfalltage Ă· Anzahl FĂ€lleTrennschĂ€rfe zwischen «oft kurz» und «selten lang» — bestimmt, ob dein Hebel PrĂ€vention (A6) oder Case Management ist.
LangzeitanteilAusfalltage aus FĂ€llen > 30 Tage Ă· alle AusfalltageZeigt, wie viel des Problems in wenigen FĂ€llen steckt — typisch 40–60 %.
Bradford-FaktorSÂČ Ă— D (S = Anzahl Absenzen, D = Summe Tage)Gewichtet hĂ€ufige Kurzabsenzen stark. Nur als Screening-Hilfe fĂŒr die Triage — nie als automatische Konsequenz oder Ranking (siehe Stolperstein).

Analysen, die sich lohnen

  • Zeitreihe vor Benchmark: die eigene Entwicklung ĂŒber 3+ Jahre mit konstanten Definitionen ist aussagekrĂ€ftiger als jeder Branchenvergleich. FĂŒr die Einordnung: Arbeitsvolumenstatistik des BFS.
  • Nach Bereich/Funktion: Unterschiede zeigen Handlungsfelder (körperliche Arbeit? FĂŒhrungsspanne? Schichtmodell?) — immer oberhalb der Aggregationsgrenze (min. 20 Personen).
  • SaisonalitĂ€t und Muster: Grippewellen sind normal; systematische Montag/Freitag-HĂ€ufungen oder HĂ€ufungen nach Dienstplan-Publikation sind Signale — aber Signale fĂŒr ein GesprĂ€ch ĂŒber Ursachen, nicht fĂŒr Schuldzuweisungen.
  • Verzahnung mit dem CM: Zeit-bis-Triage und Langzeitanteil zeigen, ob die Trigger funktionieren; die Fallkennzahlen selbst gehören ins CM-Reporting (M7) und den gemeinsamen Quartalsreport.
Stolperstein

Der Bradford-Faktor (und jedes Absenz-Ranking) wird toxisch, sobald er automatisch Konsequenzen auslöst oder an FĂŒhrungskrĂ€fte-Boni gekoppelt wird: Er bestraft chronisch Kranke und Eltern, erzeugt PrĂ€sentismus und ist datenschutzrechtlich heikel, wenn er personenbezogen breit gestreut wird. Regel: Kennzahlen identifizieren GesprĂ€chsbedarf, Menschen entscheiden ĂŒber Massnahmen — und personenbezogene Auswertungen sieht nur, wer sie fĂŒr seine Rolle braucht.

Best Practice

Baue ein Monats-Cockpit mit genau fĂŒnf Zahlen (Quote, HĂ€ufigkeit, Langzeitanteil, offene Zeugnisse, FĂ€lle ĂŒber Trigger-Schwelle) und einem Quartals-Deep-Dive. Mehr Kennzahlen erzeugen nicht mehr Steuerung, sondern mehr Diskussion ĂŒber Messmethoden. Die Definitionen aller Kennzahlen gibt es als Download-Vorlage — einmal festschreiben, dann nie mehr pro Sitzung neu erklĂ€ren.

Links & Literatur zu diesem Modul

Modul A5 · Lernen

FĂŒhrung & GesprĂ€che

Lernziel: Du kennst die GesprÀchskette des Absenzenmanagements und das gestufte, faire Vorgehen bei Kurzabsenz-Mustern.

Die GesprÀchskette

  • MeldegesprĂ€ch (Tag 1): Die FĂŒhrungskraft nimmt die Krankmeldung persönlich entgegen — kurz, wohlwollend, mit Vereinbarung des Kontaktrhythmus. Kein Verhör («Was hast du denn?»), aber auch keine Voicemail-Kultur.
  • Kontakt wĂ€hrend der Absenz: ab Tag 3–5 persönlich nachfragen; bei lĂ€ngeren Absenzen greift das Fristenraster des Case Managements.
  • RĂŒckkehrgesprĂ€ch nach jeder Absenz: das Arbeitspferd des Absenzenmanagements — Struktur, Beispielfragen und Don'ts stehen im CM-Modul M5, als Handout im Merkblatt FĂŒhrungskrĂ€fte. Wirkt nur, wenn es fĂŒr alle, immer gilt.
  • FĂŒrsorgegesprĂ€ch bei AuffĂ€lligkeiten: vor dem grossen Ausfall — Beobachtung statt Interpretation, Angebot statt Auflage (M5).

Kurzabsenz-Muster: das gestufte Vorgehen

Wiederholte Kurzabsenzen sind ein Signal, kein Beweis. Dahinter stecken hĂ€ufiger BetreuungsnotstĂ€nde, chronische Erkrankungen, Konflikte oder Überlastung als Arbeitsunlust. Das faire und zugleich konsequente Vorgehen lĂ€uft in Stufen:

StufeAnlassVorgehen
1Jede AbsenzRĂŒckkehrgesprĂ€ch durch die FĂŒhrungskraft — konsequent, wertschĂ€tzend, dokumentationsfrei.
2Muster erkennbar (z. B. 3. Kurzabsenz in 6 Monaten — Trigger aus A3)FĂŒrsorgegesprĂ€ch: Muster benennen, Ursachen erfragen, UnterstĂŒtzung anbieten (Arbeitszeit, Betreuungslösungen, CM-Stelle). Kurznotiz zum GesprĂ€ch (Datum, Vereinbarung — keine Gesundheitsdetails).
3Muster hĂ€lt an, keine erklĂ€rbare UrsacheKlĂ€rungsgesprĂ€ch mit HR: Erwartungen und Konsequenzen transparent machen; als Einzelmassnahme ggf. Arztzeugnis ab dem 1. Tag (A2); Vereinbarung schriftlich mit ÜberprĂŒfungstermin.
4Vereinbarung wird nicht eingehaltenArbeitsrechtliche Schiene (Verwarnung, ggf. Trennung) — durch HR, sauber dokumentiert, ausserhalb von CM und FĂŒrsorgeformaten.

Wichtig: Zwischen jeder Stufe liegt echte KlĂ€rungsarbeit. Wer von Stufe 1 direkt auf Stufe 4 springt, produziert Rechtsrisiken und zerstört die Meldekultur — wer nie ĂŒber Stufe 1 hinausgeht, signalisiert, dass Absenzen niemanden interessieren. Beides erhöht die Absenzen.

FĂŒhrung und Kultur als Absenzfaktor

Der stĂ€rkste betriebliche Einflussfaktor auf Kurzabsenzen ist die erlebte FĂŒhrung: Teams mit hohem Vertrauen melden sich frĂŒher (weniger Verschleppung), kommen schneller zurĂŒck und zeigen weniger «Motivationsabsenzen». Konkret wirksam: erreichbare FĂŒhrungskrĂ€fte am Meldetag, konsequente RĂŒckkehrgesprĂ€che, sichtbare Anpassungsbereitschaft («was mĂŒssen wir Ă€ndern?») — und Fairness: gleiche Regeln fĂŒr LeistungstrĂ€ger und alle anderen.

Stolperstein

AnwesenheitsprĂ€mien und «Null-Absenzen-Auszeichnungen» klingen nach Motivation, kaufen aber PrĂ€sentismus ein: Kranke schleppen sich zur Arbeit, stecken andere an, verschleppen Erkrankungen — und wer wegen einer Chemotherapie fehlt, verliert die PrĂ€mie. Wenn Anreize, dann fĂŒr Teams und fĂŒr ProzessqualitĂ€t (Meldedisziplin, gefĂŒhrte RĂŒckkehrgesprĂ€che), nie fĂŒr individuelle Anwesenheit.

Links & Literatur zu diesem Modul

Modul A6 · Lernen

PrÀvention & Gesundheitskultur

Lernziel: Du kannst aus Absenzdaten Ursachenhypothesen ableiten und ein Massnahmen-Portfolio bauen, das Absenzen senkt, ohne PrÀsentismus zu erzeugen.

Von der Zahl zur Ursache

AuffÀllige Bereichszahlen (A4) sind der Startpunkt, nie das Urteil. Die Ursachenanalyse fragt auf vier Ebenen:

  • Arbeit: körperliche Belastung, Ergonomie, LĂ€rm, Schicht- und Nachtarbeit, monotone TĂ€tigkeiten
  • Organisation: chronische Unterbesetzung, Pensenplanung, Termindruck, unklare Rollen, stĂ€ndige Reorganisationen
  • FĂŒhrung & Team: Konflikte, fehlende WertschĂ€tzung, Laissez-faire beim Thema Absenzen
  • Individuum & Privates: chronische Erkrankungen, Betreuungspflichten, Pendelwege — vom Betrieb nur begrenzt beeinflussbar, aber durch FlexibilitĂ€t abfederbar

Methoden: Bereichsvergleich ĂŒber Zeit, GesprĂ€che mit FĂŒhrungskraft und Team, Mitarbeitendenbefragung (z. B. Job-Stress-Index-Logik: Belastungen vs. Ressourcen), Erkenntnisse aus CM-FĂ€llen (anonymisiert — die BrĂŒcke aus CM-M7).

Das Massnahmen-Portfolio

  • VerhĂ€ltnisprĂ€vention zuerst (Arbeitsbedingungen Ă€ndern): Ergonomie und Hilfsmittel, Dienstplan-StabilitĂ€t, realistische Personalbemessung, Pausenkultur, LĂ€rm-/Klimamassnahmen. Wirkt breiter und nachhaltiger als Appelle.
  • VerhaltensprĂ€vention ergĂ€nzend (Menschen stĂ€rken): Bewegungs- und Erholungsangebote, Schlaf/Schichttauglichkeit, Resilienz — freiwillig und ohne moralischen Zeigefinger.
  • Psychische Gesundheit: Enttabuisierung (Kampagne «Wie geht's dir?»), ensa-Kurse fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte, niederschwellige Beratungsangebote (interne/externe Sozialberatung, EAP).
  • FlexibilitĂ€t als Absenz-Killer: kurzfristige Home-Office- oder Gleitzeit-Lösungen verwandeln manche potenzielle Kurzabsenz (Handwerker, krĂ€nkelndes Kind) in einen produktiven Tag — Regeln dafĂŒr ins Reglement.
  • Wiedereingliederungskultur: gestufte RĂŒckkehr als Normalfall etablieren (CM-M4) — nichts senkt Langzeitabsenzen so direkt.

Einbettung ins BGM

Absenzenmanagement, Case Management und Gesundheitsförderung sind die drei SĂ€ulen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (Modell von Gesundheitsförderung Schweiz). Wenn du langfristig ein Label wie «Friendly Work Space» anstrebst, liefern dir dessen Kriterien eine fertige Struktur-Checkliste — auch ohne Zertifizierungsabsicht ein guter Spiegel.

Wirkung messen

Pro Massnahme vorher festlegen: Zielgrösse (Quote? HĂ€ufigkeit? Befragungswert?), Zeithorizont (PrĂ€vention wirkt in Quartalen bis Jahren, nicht Wochen) und Vergleichsgrösse (Bereich mit/ohne Massnahme, Zeitreihe). Und ehrlich bleiben: Ein milder Winter senkt die Quote auch — Trends ĂŒber mehrere Jahre lesen.

Best Practice

Nimm dir einen Bereich pro Jahr mit auffĂ€lligen Zahlen vor und mache dort eine echte Ursachenanalyse mit anschliessendem Massnahmen-Paket — statt zehn Giesskannen-Aktionen fĂŒrs ganze Unternehmen. Der sichtbare Erfolg in einem Bereich («dort wurde wirklich etwas verĂ€ndert») trĂ€gt die GlaubwĂŒrdigkeit des ganzen Systems.

Links & Literatur zu diesem Modul
  • Gesundheitsförderung Schweiz — BGM-Kriterien, Friendly Work Space, Job-Stress-Index.
  • ensa.swiss — Erste-Hilfe-Kurse psychische Gesundheit.
  • SECO — psychosoziale Risiken und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.
  • Uhle/Treier, «Betriebliches Gesundheitsmanagement» (Springer) — Vertiefung der PrĂ€ventionslogik.

Modul A7 · Umsetzen

EinfĂŒhrung im Unternehmen & Schnittstelle zum Case Management

Lernziel: Du kannst das Absenzenmanagement in der richtigen Reihenfolge einfĂŒhren und nahtlos mit dem Case Management verzahnen.

Die EinfĂŒhrungs-Reihenfolge

  1. Definitionen festlegen (A1): Absenzarten-Katalog, Kurz-/Langzeit-Grenze, Rechenregeln
  2. Reglement erstellen: Meldewege, Zeugnispflichten, Datenschutz, GesprĂ€chsformate, Eskalationsstufen — Vorlage in dieser App; juristisch prĂŒfen, Sozialpartner einbeziehen
  3. System einrichten (A3): Katalog, Workflows, Trigger, Berechtigungen, Schnittstellen
  4. FĂŒhrungskrĂ€fte schulen: Meldeprozess, Erfassung, RĂŒckkehrgesprĂ€ch — passt als Baustein in den FĂŒhrungskrĂ€fte-Halbtag des CM, gemeinsam einfĂŒhren spart einen zweiten Anlauf
  5. Kommunikation an alle: neue Meldewege und Zeugnisregeln, Sinn und Fairness-Grundsatz («gleiche Regeln fĂŒr alle, UnterstĂŒtzung statt Kontrolle»)
  6. Reporting etablieren (A4): Monats-Cockpit, Quartalsbericht — gemeinsam mit dem CM-Quartalsreport
  7. Case Management andocken: erst wenn 1–6 stehen, entfalten die Trigger ihre Wirkung

Rollen

RolleIm Absenzenmanagement
MitarbeitendeunverzĂŒgliche Meldung, Zeugnisse fristgerecht, Mitwirkung bei der RĂŒckkehr
FĂŒhrungskraftMeldung entgegennehmen, gleichentags erfassen, Kontakt halten, RĂŒckkehrgesprĂ€che, Stufen 1–2 der Eskalation
HRReglement, DatenqualitĂ€t, KTG-/UVG-Meldungen, Stufe 3–4, Reporting
CM-StelleĂŒbernimmt ab Trigger (Tag 30 / Muster) — Triage und FallfĂŒhrung gemĂ€ss CM-M4
GeschÀftsleitungverabschiedet Reglement, liest das Cockpit, hÀlt den Fairness-Grundsatz auch in EinzelfÀllen durch

Die Schnittstelle zum Case Management (der ganze Sinn der Übung)

  • Automatische Trigger: Tag 30 ununterbrochene Absenz · 3. Kurzabsenz in 6 Monaten · auffĂ€lliges Muster → Meldung an die CM-Stelle, die nach den Triage-Kriterien entscheidet.
  • Datenfluss: Das Absenzsystem liefert dem CM Beginn, Verlauf und Grad — die CM-Fallakte bleibt davon getrennt (Datenschutz, CM-M2).
  • Gemeinsames Reporting: Absenz-Kennzahlen (A4) und CM-Fallkennzahlen (M7) gehören in denselben Quartalsbericht — erst zusammen erzĂ€hlen sie die ganze Geschichte: Werden FĂ€lle frĂŒher erkannt? Sinkt der Langzeitanteil?
  • RĂŒckkopplung: Erkenntnisse aus CM-FĂ€llen (HĂ€ufungen, Arbeitsplatzfaktoren) fliessen anonymisiert in die PrĂ€vention (A6) zurĂŒck.
Stolperstein

Die hĂ€ufigste Fehlreihenfolge: Ein Case Management wird eingefĂŒhrt, wĂ€hrend die Absenzerfassung noch lĂŒckenhaft ist — die Trigger feuern nicht oder falsch, die CM-Stelle jagt Datenlöcher statt FĂ€lle, und nach einem Jahr heisst es «CM bringt nichts». Halte die Reihenfolge durch, auch wenn das Reglement- und Systemthema unglamourös ist: Ohne A1–A3 kein wirksames CM.

Links & Literatur zu diesem Modul

Werkzeuge · Auf einen Blick

Die acht wichtigsten Tipps zum Absenzenmanagement

  1. Definitionen vor Daten. Absenzarten-Katalog und Rechenregeln (Stunden statt Tage!) schriftlich festlegen, bevor die erste Auswertung entsteht. (A1)
  2. Ein System, keine Schatten-Excel. Erfassung durch die FĂŒhrungskraft am Meldetag, HR sichert monatlich die QualitĂ€t. (A3)
  3. Kategorien ja, Diagnosen nie — keine Freitextfelder, keine «Bemerkungen»-Spalten mit Gesundheitsdetails. (A2)
  4. Quote und HĂ€ufigkeit immer zusammen lesen — erst das Paar zeigt, ob dein Problem «oft kurz» oder «selten lang» heisst. (A4)
  5. Kennzahlen identifizieren GesprÀchsbedarf, Menschen entscheiden. Bradford & Co. nie automatisch Konsequenzen auslösen lassen. (A4)
  6. RĂŒckkehrgesprĂ€che fĂŒr alle, immer — und bei Mustern das gestufte Vorgehen statt Sprung zur Sanktion. (A5)
  7. Keine AnwesenheitsprÀmien. Sie kaufen PrÀsentismus und bestrafen Kranke. (A5)
  8. Erst Absenzenmanagement, dann Case Management — die Trigger (Tag 30, 3. Kurzabsenz) sind die Nahtstelle. (A7)

Werkzeuge · Fortschrittskontrolle

Checkliste: EinfĂŒhrung des Absenzenmanagements

Hake ab, was erledigt ist — der Stand wird lokal im Browser gespeichert, getrennt von der Case-Management-Checkliste.

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Phase 1 · Grundlagen (Monat 1–2)

Phase 2 · Reglement & System (Monat 2–4)

Phase 3 · Rollout (Monat 4–6)

Phase 4 · Betrieb & Verzahnung (laufend)

Werkzeuge · Material

Downloads & Vorlagen — Absenzenmanagement

Material fĂŒr den Aufbau: offizielle Quellen zum Nachschlagen, Vorlagen-Seiten in der App und Dateien zum Herunterladen. Die Case-Management-Materialien findest du in den CM-Downloads.

Offizielle Quellen & Portale

  • BFS — ArbeitsvolumenstatistikAbsenz-Benchmarks nach Branche und JahrÖffnen
  • SECO — Arbeitsrecht & GesundheitsschutzVerhinderung, Arztzeugnis, psychosoziale RisikenÖffnen
  • AHV/IV — MerkblĂ€tter EO & BetreuungsurlaubMutterschaft, Urlaub des andern Elternteils, Betreuung AngehörigerÖffnen
  • EDÖB — Datenschutz im ArbeitsverhĂ€ltnisLeitplanken fĂŒr die Absenzerfassung nach revDSGÖffnen
  • Gesundheitsförderung SchweizBGM-Kriterien, Job-Stress-Index, Friendly Work SpaceÖffnen
  • Suva — Unfallmeldung & PrĂ€ventionUVG-Meldung, Taggeld, Sicherheits- und PrĂ€ventionsmaterialÖffnen

Vorlagen-Seiten in dieser App

  • AbsenzenreglementGliederung mit ausformulierten Kernklauseln (zu A7)Öffnen
  • Eskalationsleitfaden KurzabsenzenDas gestufte Vorgehen aus A5 als Arbeitsanleitung fĂŒr FĂŒhrung und HRÖffnen

Dateien zum Herunterladen

Werden direkt hier erzeugt und als Markdown-Datei (.md) gespeichert — anpassbar in Word oder jedem Editor. Reglement vor Einsatz juristisch prĂŒfen lassen.

  • Gliederung AbsenzenreglementStruktur mit Kernklauseln zum Ausformulieren
  • Kennzahlen-DefinitionsblattAlle Formeln und Rechenregeln aus A4 zum Festschreiben
  • Eskalationsleitfaden KurzabsenzenDie vier Stufen mit GesprĂ€chszielen und Dokumentationsregeln

Vorlage · Startpunkt zum Anpassen

Absenzenreglement [Firma]

Verwendung: Grundlage fĂŒr das Reglement aus A7. Kernklauseln sind ausformuliert, Details ans Unternehmen anpassen — vor Inkraftsetzung juristisch prĂŒfen und mit dem Sozialpartner abstimmen.

Vorlagetext — ab hier ĂŒbernehmen

1 · Zweck und Geltungsbereich

Dieses Reglement regelt Meldung, Nachweis und Erfassung von Abwesenheiten sowie den Umgang mit gesundheitsbedingten Absenzen. Es gilt fĂŒr alle Mitarbeitenden inkl. Kader. Leitgedanke: Wir unterstĂŒtzen erkrankte und verunfallte Mitarbeitende aktiv — und behandeln alle nach denselben Regeln.

2 · Meldung

Wer verhindert ist, meldet dies vor Arbeitsbeginn persönlich (telefonisch) der direkten FĂŒhrungskraft — mit voraussichtlicher Dauer. Bei deren Nichterreichbarkeit: [Stellvertretung/HR]. SMS/Chat gelten nur als Vorab-Info. Die FĂŒhrungskraft erfasst die Absenz gleichentags im [System].

3 · Arztzeugnis

Ab dem [3.] Kalendertag ist unaufgefordert ein Arztzeugnis einzureichen; Folgezeugnisse lĂŒckenlos. Das Zeugnis nennt Grad und voraussichtliche Dauer der ArbeitsunfĂ€higkeit — Diagnosen werden weder verlangt noch erfasst. Bei begrĂŒndeten Zweifeln kann [Firma] im Einzelfall ein Zeugnis ab dem 1. Tag oder eine vertrauensĂ€rztliche Untersuchung verlangen; die Kosten trĂ€gt [Firma].

4 · Krankheit und Unfall — Besonderes

UnfÀlle sind zusÀtzlich sofort zu melden ([UVG-Meldestelle]). Erkrankt jemand wÀhrend der Ferien, gelten Àrztlich belegte Krankheitstage nicht als Ferienbezug; das Zeugnis ist auch aus dem Ausland beizubringen. Lohnfortzahlung und Krankentaggeld richten sich nach [Arbeitsvertrag/GAV/KTG-Vertrag].

5 · Kontakt wÀhrend der Absenz

Die FĂŒhrungskraft hĂ€lt bei lĂ€ngeren Absenzen wohlwollenden Kontakt (Richtwert: erster Kontakt Tag 3–5, danach vereinbarter Rhythmus). Ab 30 Tagen Absenz oder bei wiederholten Kurzabsenzen prĂŒft die Case-Management-Stelle eine Fallbegleitung; es gilt das Reglement Betriebliches Case Management.

6 · RĂŒckkehr

Nach jeder Absenz fĂŒhrt die FĂŒhrungskraft ein kurzes RĂŒckkehrgesprĂ€ch. Bei RĂŒckkehr nach lĂ€ngerer Absenz wird der Wiedereinstieg in der Regel gestuft geplant (Stufenplan gemĂ€ss Case Management).

7 · Umgang mit auffÀlligen Absenzmustern

Bei wiederholten Kurzabsenzen gilt ein gestuftes Vorgehen: RĂŒckkehrgesprĂ€ch → FĂŒrsorgegesprĂ€ch → KlĂ€rungsgesprĂ€ch mit HR → arbeitsrechtliche Massnahmen. Ziel jeder Stufe ist die KlĂ€rung der Ursachen und die UnterstĂŒtzung der Mitarbeitenden; Sanktionen sind das letzte Mittel.

8 · Datenschutz

Erfasst werden ausschliesslich Kategorie, Beginn, Ende und Grad der Abwesenheit — keine Diagnosen oder Gesundheitsdetails. Zugriff haben die direkte FĂŒhrungskraft (eigenes Team), HR und — fĂŒr Fallbegleitungen — die Case-Management-Stelle. Auswertungen erfolgen aggregiert (min. [20] Personen). Aufbewahrung und Löschung richten sich nach dem Datenschutzkonzept.

9 · Kurzfristige Verhinderungen und bezahlte Kurzurlaube

Arzttermine sind wenn möglich an den Rand der Arbeitszeit zu legen. Bezahlte Kurzabwesenheiten (Betreuung kranker Angehöriger bis 3 Tage pro Ereignis / max. 10 Tage pro Jahr, familiÀre Ereignisse, BehördengÀnge) richten sich nach [Anhang/Personalreglement].

10 · Inkraftsetzung

Dieses Reglement tritt am [Datum] in Kraft und ersetzt [bisherige Regelung]. Es wird jĂ€hrlich ĂŒberprĂŒft.

Hinweise zur Anpassung: Zeugnisfrist (Ziff. 3) und Kurzurlaube (Ziff. 9) an GAV/Personalreglement angleichen; die Eskalationsstufen (Ziff. 7) mit dem Eskalationsleitfaden unterlegen; Verweise auf das CM-Reglement erst aktivieren, wenn es in Kraft ist.

Vorlage · Startpunkt zum Anpassen

Eskalationsleitfaden: Umgang mit Kurzabsenz-Mustern

Verwendung: Arbeitsanleitung fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte und HR zum gestuften Vorgehen aus A5 — fair, transparent, dokumentierbar.

Vorlagetext — ab hier ĂŒbernehmen

GrundsÀtze

Ein Absenzmuster ist ein Signal, kein Beweis. Jede Stufe dient zuerst der KlĂ€rung und UnterstĂŒtzung; Konsequenzen folgen erst, wenn UnterstĂŒtzung nicht greift und keine nachvollziehbaren GrĂŒnde vorliegen. Gesundheitsdetails werden auf keiner Stufe erfragt oder dokumentiert.

Stufe 1 — RĂŒckkehrgesprĂ€ch (FĂŒhrungskraft, nach jeder Absenz)

Auslöser: jede Absenz. Ziel: Willkommen, Arbeitsbezug klÀren («trÀgt etwas an der Arbeit zur Absenz bei?»). Dokumentation: keine.

Stufe 2 — FĂŒrsorgegesprĂ€ch (FĂŒhrungskraft)

Auslöser: 3. Kurzabsenz innert 6 Monaten oder auffĂ€lliges Muster (System-Trigger). Ziel: Muster benennen (Fakten: Daten, HĂ€ufigkeit), Ursachen offen erfragen, UnterstĂŒtzung anbieten (Arbeitszeitmodelle, Entlastung, Case-Management-Stelle, externe Beratung). GesprĂ€chseinstieg: «Mir ist aufgefallen, dass Sie in den letzten Monaten dreimal kurz ausgefallen sind. Ich will sichergehen, dass es Ihnen gut geht — wie sehen Sie das?» Dokumentation: Kurznotiz (Datum, vereinbarte UnterstĂŒtzung, Termin zur Nachschau) — keine Gesundheitsdetails.

Stufe 3 — KlĂ€rungsgesprĂ€ch (HR + FĂŒhrungskraft)

Auslöser: Muster hĂ€lt trotz Stufe 2 an, keine nachvollziehbare Ursache erkennbar. Ziel: Erwartungen und Folgen transparent machen. Inhalte: Faktenlage, bisherige UnterstĂŒtzungsangebote, klare Erwartung (zuverlĂ€ssige Meldung, ggf. Arztzeugnis ab dem 1. Tag als befristete Einzelmassnahme), schriftliche Vereinbarung mit ÜberprĂŒfungstermin in [8] Wochen. Ton: respektvoll und deutlich — keine Drohkulisse, keine Diagnose-Spekulation.

Stufe 4 — Arbeitsrechtliche Massnahmen (HR)

Auslöser: Vereinbarung aus Stufe 3 wird nicht eingehalten. Vorgehen: Verwarnung/Ermahnung schriftlich; bei fortgesetzter Verletzung der vertraglichen Pflichten PrĂŒfung der Trennung — unter Beachtung der Sperrfristen (Art. 336c OR) und ausserhalb von FĂŒrsorge- und CM-Formaten. Dokumentation: vollstĂ€ndig auf der HR-Schiene.

Immer prĂŒfen, bevor eskaliert wird

  • Liegt eine chronische Erkrankung oder Behinderung vor? → Weg ĂŒber CM/Arbeitsplatzanpassung, nicht Eskalation.
  • Betreuungspflichten? → gesetzliche Kurzurlaube und flexible Modelle zuerst ausschöpfen.
  • Konflikt oder Überlastung im Team? → Ursachenbearbeitung parallel (A6), sonst verschiebt sich das Problem nur.
HR Suite — Case Management 101 & Absenzenmanagement 101 · Rechtsstand Schweiz (u. a. Weiterentwicklung IV 2022, revDSG 2023) · Ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.